Durch finstre Gräuel der Verwüstung schwebt

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Betty Paoli: Durch finstre Gräuel der Verwüstung schwebt Titel entspricht 1. Vers(1854)

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Durch finstre Gräuel der Verwüstung schwebt
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Dein Lied zu mir, wie eine Friedenstaube!
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Um meine blitzversehrte Stirne webt
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Den Kranz des Lichts dein kindlich frommer Glaube!
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Dein Traum, umspielt von gold'gem Nebelduft,
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Er zeigt mich dir in heil'gen Tempelhallen,
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Und deines jungen Herzens Sehnsucht ruft:
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»o wäre mir ein gleiches Loos gefallen!

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O lebte ich wie du, der Welt entrückt,
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In seliger Gemeinschaft mit dem Schönen!
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O hätte ich die Macht, was mich beglückt
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Und was mich quält, melodisch auszutönen!
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Vermöcht' ich, wie der Glocke reines Erz,
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Des Segens Klänge weithin zu entsenden!
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O wäre, wie das deine, auch mein Herz
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Nur eine Harfe in der Gottheit Händen!«

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Mit heißer Inbrunst sprichst du so zu mir;
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Mich aber halten Schauer kalt umschlungen.
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Du unglückselig Kind! so ist auch dir
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Der lockende Syrenenruf erklungen?
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Ophelia! mit frohem Jugendmuth
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Ziehst du hinaus um Kränze dir zu winden,
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Weh dir! wie bald wird in der dunkeln Fluth
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Entseelt man deine schöne Leiche finden! –

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Der See, der tiefen, gleicht die Poesie.
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Süß ist's sich ihrem Kosen hinzugeben,
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Auf blauen Wellen hinzugleiten, die
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Im heitern Spiel sich senken und sich heben.
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Erquickend kühlt sie deine heiße Brust,
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Tiefsel'ge Träume fühlst du dich umwogen,
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Und ehe dir noch die Gefahr bewußt,
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Hat dich der Abgrund schon hinabgezogen! –

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Es schreckt dich dieß Verhängniß nicht zurück?
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So mächtig treibt es dich nach jenen Schätzen,
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Daß du bereit des Lebens Lust und Glück
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Im kühnen Wagniß hoffend einzusetzen?
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Erfahre denn des Liedes ganzen Preis!
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Mit leisem Schauer mög er dich erfüllen!
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Zu oft nur muß des Lorbers grünend Reis
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Ein düstrer als des Schmerzens Maal verhüllen!

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Noch zeigt dein unentweihter Glaube dir
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Des Dichters Bild in erdentrückter Ferne,
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Hoch über all dem irdischen Gewirr
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Hinwallend gleich dem leuchtendsten der Sterne.
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Du wähnest ihn geläutert und befreit
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Von jedem Fesselband der Creaturen,
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Von jedem Flecken trüber Sinnlichkeit,
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Von aller Schlacken menschlicher Naturen.

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Ich aber sage dir: Wohl werden ihm
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Momente wie den Seligen, Verklärten;
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Hochheil'ge Stunden, wo die Cherubim
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Sich um ihn reih'n als strahlende Gefährten;
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Entzückungen, in deren reinem Licht,
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Die Blüthen sich erschließen ew'ger Lieder!
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Da schwindet seine Kraft, die Schwinge bricht
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Und in die dunkle Tiefe stürzt er nieder!

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O wüßtest du, was solche Stunden sind
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Wo Erd und Himmel sich in uns bekämpfen,
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Die trübe Kenntniß, du bethörtes Kind!
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Sie würde deiner Sehnsucht Flamme dämpfen!
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O könntest du den doppelschneid'gen Stahl,
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An dem verblutet sein geheimstes Leben,
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Der Sühnung Weh, der Läutrung heiße Qual,
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Vor seinem Loose würdest du erbeben! –

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Genug, genug! Ich habe dir gesagt,
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Mit welchem Preise sich das Lied erkaufet!
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Dir zu verkünden habe ich gewagt
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Wie streng der Geist, der nur mit Feuer taufet!
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Bleibt unerschüttert selbst noch jetzt dein Herz,
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Und wandellos das Dürsten deiner Seele,
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So nimm denn Theil an allem Glück und Schmerz
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Der ihren Gott umschlingenden Semele.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Betty Paoli
(18141894)

* 30.12.1814 in Wien, † 05.07.1894 in Baden bei Wien

weiblich, geb. Paoli

österreichische Lyrikerin, Novellistin, Journalistin und Übersetzerin

(Aus: Wikidata.org)

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