Du willst mich trösten? Laß, o laß

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Betty Paoli: Du willst mich trösten? Laß, o laß Titel entspricht 1. Vers(1854)

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Du willst mich trösten? Laß, o laß,
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Was zwingst du dich zu falschem Scheine?
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Dein Angesicht, ist es nicht blaß,
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Dein Aug' nicht düster wie das meine?
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Was sagst du mir, wie schön es sei
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Mit dem Geschicke kühn zu ringen?
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Durch deine Worte hör' den Schrei
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Ich deines eignen Jammers dringen!

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Ach, deines Auges verlöschend Licht,
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Der stille Gram in deinen Zügen,
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Ja selbst dein Lächeln widerspricht
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All' deinen frommgemeinten Lügen.
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Geh! deinem Wesen hat der Feind,
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Den zu bekämpfen du dich rüstest,
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Der Schmerz, sich allzu tief geeint,
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Als daß du ihn zu bannen wüßtest.

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Wer ihn besiegen soll, der darf
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Des finstern Gegners Macht nicht kennen,
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Dem dürfen Thränen ätzend scharf
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Nicht auf der eignen Wange brennen,
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Der darf in seiner eignen Brust
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Mit Schaudern nicht empfunden haben,
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Was es bedeuten will, die Lust,
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Das Glück des Lebens zu begraben.

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Der beste Tröster ist ein Kind!
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Des Kummers bittrer Quell versieget,
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Wenn es mit sonn'gem Lächeln lind
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An unsre Brust sich harmlos schmieget.
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Ein sanfter Sphärenton durchdringt
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Es unsrer Qualen Schlachtgetümmel,
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Ein freudig Morgenroth entspringt
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Es hell an unserm nächt'gen Himmel!

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Sein Wort erquickt und labt und kos't
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Ein Jubellied aus Rosenlauben,
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Und macht den Geist, trotz Sturm und Frost,
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An einen ew'gen Frühling glauben.
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Es häuft nicht eifrig Schluß auf Schluß
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Es quält dich nicht mit eitlen Gründen,
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Mit einem Blick, mit einem Kuß
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Spricht es dich frei von Schmerz und Sünden!

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So sieht der blitzgetroffne Baum
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An seinem Stamme Blumenranken
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Gleich einem holden Elfentraum
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Im Hauch des Frühlings duftig schwanken.
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O, wie vergißt er da so gern
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Sein eigen Welken und Zersplittern,
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Sieht er in ihres Kelches Stern
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Den Morgenthau als Perle zittern! –

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Du fühlst dich innerlich erhellt,
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Zum Tempel wird des Schmerzens Zelle,
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Das Kind setzt seine neue Welt
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An deiner eingestürzten Stelle!
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Und ist auch diese Welt nicht dein
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Mit ihrem wolkenlosen Glücke,
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Ihr Dasein schon genügt allein,
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Daß sich dein Herz daran erquicke.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Betty Paoli
(18141894)

* 30.12.1814 in Wien, † 05.07.1894 in Baden bei Wien

weiblich, geb. Paoli

österreichische Lyrikerin, Novellistin, Journalistin und Übersetzerin

(Aus: Wikidata.org)

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