»was stehst du so düster und von mir gewandt?

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Betty Paoli: »was stehst du so düster und von mir gewandt? Titel entspricht 1. Vers(1854)

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»was stehst du so düster und von mir gewandt?
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Was seh ich verhüllend die zitternde Hand
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An's strömende Auge dich pressen?
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O laß uns, Geliebte! den peinlichen Streit,
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Der unsre Gemüther für Stunden entzweit,
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In süßer Versöhnung vergessen!«

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Und hab ich verletzt dich mit thörichtem Wort,
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So mögen die eilenden Winde es fort
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Wie Nebel des Morgens verjagen!
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Oft kränket die Liebe so tief wie der Haß –
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Was irrend an dir sie verbrochen, o laß'
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Nicht Wurzeln im Herzen es schlagen!«

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Wohl mag's der Liebe auch begegnen
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Daß Kränze sie von Dornen flicht,
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Doch selbst ihr Zürnen ist ein Segnen:
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Sie tödtet, doch erniedrigt nicht.
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Ihr Dolch macht breite Wunden klaffen,
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Wenn er sich in die Seele taucht,
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Doch stolz verschmäht sie solche Waffen
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Wie du sie gegen mich gebraucht.

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In ihres Zornes wildem Grauen
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Ist sie ein Blitz, der zündend trifft,
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Doch saugt sie nicht aus dem Vertrauen,
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Das ihr geworden, heimlich Gift!
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Sie drängt sich nicht in eine Seele,
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Ein falscher, lauernder Spion,
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Ins Antlitz ihr beweinte Fehle
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Zu schleudern einst mit frechem Hohn. –

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Ein See mit sanftbewegten Wogen
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Schien mir dein trügerisch Gemüth,
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Licht überwölbt vom Himmelsbogen,
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Von duft'gen Ranken überblüht;
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Allein die ersten Stürme riefen
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Empor an den wahrhaft'gen Tag
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Was, lang bedeckt, in seinen Tiefen
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An ungeahnten Gräueln lag.

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Zwar hat des Sturmes Nachtgefieder
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Zur Ruhe sich nunmehr gelegt,
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Mich aber täuscht der See nicht wieder –
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Ich weiß, was seine Tiefe hegt!
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Entfremdet bist du meinem Herzen,
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Zerrissen jedes Liebesband!
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Wie möchte mit der Natter scherzen,
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Wer ihres Stiches Qual empfand!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Betty Paoli
(18141894)

* 30.12.1814 in Wien, † 05.07.1894 in Baden bei Wien

weiblich, geb. Paoli

österreichische Lyrikerin, Novellistin, Journalistin und Übersetzerin

(Aus: Wikidata.org)

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