O könnte ich dich von mir werfen

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Betty Paoli: O könnte ich dich von mir werfen Titel entspricht 1. Vers(1854)

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O könnte ich dich von mir werfen
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Du Fluch des Sangs, der auf mir ruht!
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Du Todesstahl, der, sich zu schärfen,
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Erglüht in meines Herzens Blut,
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Und wieder dann in meinen Thränen
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Die Kühlung suchet, die ihm noth!
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Zerstört hat mich Dein gleißend Höhnen;
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Ich lebe nicht und bin nicht todt!

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Ich lebe nicht! denn auf der Erde
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Wall' ich umher, ein fremder Gast,
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Bin heimathlich an keinem Herde,
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Bin nicht geliebt und nicht gehaßt,
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Hab keinen Antheil an den Gaben,
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Die Gott den Menschen mild verleiht;
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Was sie erquickt kann mich nicht laben –
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Ich bin nicht aus der Zeitlichkeit!

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Ich bin nicht todt! denn tief im Herzen
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Regt sich der Wunsch noch glühend heiß,
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Nach sel'ger Freude Frühlingsscherzen,
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Nach jungen Glückes frischem Reis!
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Noch dränget sich mir auf die Frage:
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Ob ich allein dem Schmerz geweiht?
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Ich weine, hoffe und verzage –
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Ich bin nicht aus der Ewigkeit!

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Und dieses martervolle Schwanken,
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Dieß Fremdsein an jedwedem Ort,
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Dieß Himmelstürmen der Gedanken,
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Dieß Sehnen nach dem Grabesport,
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Dieß Heimweh, das des Daseins Blüthe
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In ihrem ersten Keime brach –
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Im einst so freudigen Gemüthe
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Riefst du es, Lied, allein nur wach!

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Du lehrtest mich das Jenseits ahnen
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Und seiner Wonnen Göttlichkeit!
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Ich schwebte hin auf Sternenbahnen,
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Ich trank vom Quell der Seligkeit,
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Und als, ach, wie mit Blitzesschnelle,
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Das Traumbild dann zerstoben war,
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Stand an des Paradieses Schwelle,
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Ich aller Erdenhoffnung bar!

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Denn nichts kann mir das Leben bieten,
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Was jenen Wonnen käme nah,
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Die oft ich in des Lieds Gebieten
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So himmlisch hold erblühet sah;
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Doch nach den lastenden Gesetzen
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Uns fesselnd an die Erdenbahn,
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Will sich in Glück die Brust noch letzen,
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Die's fühlen nicht, noch missen kann!

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So leb' ich fort, ein täglich Sterben
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Im Schwanken zwischen Dort und Hier,
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Ein unermüdlich Qualerwerben,
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Ein Traumessein im Tagsgewirr,
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Ein einsam Sein in düstrer Mahnung
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Inmitten dieser lauten Welt,
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In tiefer Nacht, die nur die Ahnung
56
Als Stern jetzt, jetzt als Blitz erhellt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Betty Paoli
(18141894)

* 30.12.1814 in Wien, † 05.07.1894 in Baden bei Wien

weiblich, geb. Paoli

österreichische Lyrikerin, Novellistin, Journalistin und Übersetzerin

(Aus: Wikidata.org)

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