104. Die Grenze

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Friedrich Leopold Graf zu Stolberg: 104. Die Grenze (1814)

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Du Grenze? Nein nicht Grenze, du alter Rhein!
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Du Lebensblut, dem Herzen Teutoniens
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Entströmend, beiden Ufern Segen
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Spendend, und hohes Gefühl, und Freude!

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Du deutscher Urart, mächtiger Rhein! Dein Strom
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Ist groß und hehr, nicht rauschend dem Ohre, schnell
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In stiller Eile, deine Wirbel
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Sprudeln nicht auf, und sind unaufhaltsam;

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Sind tief wie Meer, wie Gottes Geschosse schnell
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Und kraftvoll, doch befreundend dem flachen Floß,
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Das deinen Wogen sich vertrauend,
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Fülle des Landes den Städten zuführt.

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Als Gott der Herr die Veste von Fluten schied,
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Und Inseln aus der Tiefe sich heben hieß,
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Und Quellen aus dem Schoß der Berge
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Rief, und dem Ocean Grenze stellte;

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Gesetz dem Sturme sprach; als das junge Licht
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Die neue Schöpfung, welcher es Schöne gab,
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Anstaunte: da verweilte freundlich
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Über dem Rhein, und des Rheines Ufern,

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Sein Wonnestrahl; durchdrang mit des Urlichts Kraft
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Der rhein'schen Berge Schoß. Er empfing, und barg
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Die Gabe, bis aus Gold und Purpur
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Träufelte Labsal von deutschen Reben,

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Des Rheines wert, des Deutschen auch wert! voll Kraft,
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Zu That entflammend und zu Gesang, nicht Schaum
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Aufsprudelnd, lebenduftend, Helle
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Strahlend dem Geist und das Herz durchglühend.

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An beiden Ufern ranket die Freude! glüht
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Auf hohen Felsen, spielet im Blumenthal,
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Hier Kühlung aus des Alten Wogen
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Saugend, sich kräftiger dort entflammend!

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An beiden Ufern tönet des Deutschen Sinn
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Aus deutschem Wort; dem edelsten Weine gleich,
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Und dir, o Rhein, ist unsre Sprache,
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Reich wie dein Strom, mit geheimen Tiefen;

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Vom eitlen Nachbar, der sich in Schaum berauscht,
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Verstanden nimmer, nimmer erfunden! Laßt
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Ihm seinen Schaum im Becher! ihm die
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Sprache, die an der Empfindung hinstreift.

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Ihn haben Schrecken Gottes, und deutsches Herz –
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Heuschrecken gleich, die oft, mit der Fackel Glut,
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Der Landmann von sich scheuchet, bis ihr
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Schwirrender Schwarm in den Rhein sich stürzet –

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So haben Schrecken Gottes, und deutsches Herz,
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Des Drängers Horden, welcher der Herrschaft sich
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Bei uns vermaß, ihn selbst, den Dränger,
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Her von der Oder bis hin zum Rhodan

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Geschreckt, verfolgt, zerstiebet! Er windet sich,
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Und fleht um Frieden! Friede, ja Friede sei
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Dem eitlen Volk, in alter Grenze;
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Aber dem Deutschen sei deutsche Freiheit,

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So weit die Sprache tönet, die trauliche,
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Die fromme, hehre; sie, der Empfindung, sie,
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Gespielin des Gesangs, der frei im
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Tanze wie Sphärengesang einherschwebt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg
(17501819)

* 07.11.1750 in Bad Bramstedt, † 05.12.1819 in Gut Sondermühlen

männlich, geb. Stolberg

deutscher Politiker und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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