Als Priam, wiederkehrend vom schrecklichen

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Friedrich Leopold Graf zu Stolberg: Als Priam, wiederkehrend vom schrecklichen Titel entspricht 1. Vers(1796)

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Als Priam, wiederkehrend vom schrecklichen
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Achilleus, mit der Leiche des Sohnes kam,
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Als in der Morgenröte Schimmer
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Ilions Volk ihm entgegen strömte;

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Ergossen vor den Fluten des Volkes sich,
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Durch Wahnsinn stark, die Weiber! ihr Jammer scholl
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Erzürnten Göttern kläglich; Hektor!
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Rufte die Mutter, und sank in Staub hin.

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Und angeschmiegt dem göttlichen Helden, lag,
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Im Jammer göttlich, seine Andromache
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Auf Hektors Brust; es rang die Hände
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Helena, bleich nun und nun errötend.

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Wie vor Gewittern bald in dem Walde laut
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Die Windsbraut brauset, bald aus dem hangenden
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Gewölk sich Nacht und Stille senken,
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Daß nur der Fittich des Uhu rauschet;

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So tönte bald, daß Pergamos bebte, daß
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Des Xanthos Nymphen Schrecken ergriff, der Schmerz
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Des Volkes, bald vernahm der greise
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König der Einzelnen leises Ächzen.

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Da sprang Kassandra, schnell wie die Löwin auf
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Das Reh sich stürzet, aus der Betäubung auf;
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Dem Vater und dem toten Bruder
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Wandte den Rücken die hehre Jungfrau.

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Ihr Haar flog rückwärts hin vor dem Morgenhauch,
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Es glühten von Begeisterung und Morgenrot
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Die Wangen, ihre Lippen bebten,
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Ehe sie sprach, und die Augen flammten!

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Gerichtet gegen Ilion schaute sie
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In nahe Zukunft: Ilion! Ilion!
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Du Braut des Jammers! Ha wie stattlich
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Prangest einher du im Fackeltanze!

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Umgürtet mit dem Flammengewande, das
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Verrat und Tücke heimlich in Kammern lang
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Schon webten! – Selig, wer im Schlachtfeld
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Fiel, es beweinte noch frei das Weib ihn!

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Noch frei die Kinder! – Siehe! dort ziehn einher
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Die Töchter Trojas! hin vor der Geißel des
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Erzürnten Treibers, dessen Söhne
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Hektor erschlug und der Speer Sarpedons!

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Ihr Jungfraun, hebet! hebet! ihr Jünglinge,
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Aus blut'gem Staub die Leiche des Königes!
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Ach Vater Priam! Mutter! Götter
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Senden aus später Erbarmung Wut dir!

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Mir frühe Qual, den Blick in die Zukunft! Dir,
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O Volk, Bethörung! Nicht des Achilleus Speer
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(ihn trifft des Paris Pfeil!), nicht Ajas'
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Speer (denn er stürzet ins eigne Schwert sich!)

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Nicht Diomedes' Lanze, noch Teukros' Pfeil,
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Wird dich vertilgen! Volk, es bereiten dir
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Verrat und Tücke dein Verderben,
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Und es entfliehn die erzürnten Götter!

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Es wehn die roten Flammen! es wirbelt sich
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Der Glut Gespiele, nächtlicher Rauch, empor!
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Die Fessel klirrt! es schwirrt die Geißel!
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Jünglinge werden geschleift von Hunden!

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Sie sprach es, tanzte wie die Mänade dann,
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Von heil'ger Wut gehoben! Dem Volke schien
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Sie toll; es wähnte, Morgenröten
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Schienen ihr Glut; und Verräter lachten.

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Der Strom der Zeiten rollte Jahrtausende
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Seitdem, bald rein und still wie der Waldsee, bald
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Mit trüben, lauten Wogen! niemals
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Trüber als nun, und noch nie so tosend!

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Seit sieben Ernten ward in die Zukunft mir
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Der Blick geöffnet. Aber Kassandra fand
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Nicht Glauben, ward verlacht! Wohlan denn,
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Deutsche! verlachet den Enkel Hermanns!

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Auf daß ihr höret bald – denn ihr achtet's nicht
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Zu sehn ihr Lächeln! – daß ihr sie höret bald,
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Die laute Lache der Verräter,
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Die euch mit gleißendem Zauber täuschen!

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Die euch verrieten lang, und verkauften lang,
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Die aus dem Sonnenscheine des Himmels euch
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Ins Labyrinth der Lehrgebäude
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Führen, bei wankender Fackeln Glanze;

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Bis ihres Mordbrands Gluten von Untergang
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Bis hin zum Aufgang lodern! O sehet doch
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Noch itzt den gleißenden Verrätern,
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Seht den Erleuchteten grad ins Auge.

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Merkt ihr verstocktes Schweigen, wenn Hochverrat
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Enthüllet wird! wenn Lästerung brüllet! wenn
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Auf Gottes Altar sich die Metze
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Stellt! wenn das Blut der Gerechten fließet!

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Ihr Heuchler! euer Lächeln bethört mich nicht!
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Verworfne! Abscheu lehret ihr, Furcht mich nicht!
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Den Frommen mischt ihr Gift, und Häuptern
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Irrender Völker den süßen Schlaftrunk!

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Als Vater könnt' ich zagen! – Wie blüht so schön
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Um mich die lautre Unschuld, wie hoffnungsvoll! –
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Doch soll nicht zagen, welcher Schalkheit
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Rüget, und rein ist, und Gott vertrauet!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg
(17501819)

* 07.11.1750 in Bad Bramstedt, † 05.12.1819 in Gut Sondermühlen

männlich, geb. Stolberg

deutscher Politiker und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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