97. An die Fürstin Gallitzin, geborne Gräfin von Schmettau

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Friedrich Leopold Graf zu Stolberg: 97. An die Fürstin Gallitzin, geborne Gräfin von Schmettau (1794)

1
Schwebe, mein Geist,
2
In der Röte dieses Morgens,
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In der Feier dieses Tages;
4
Segen des Himmels umwallet ihn in glänzendem Strom!

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Schöner war nicht
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Sein älterer Bruder,
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Der die Neugeborne
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Freundlich und froh
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Nahm aus den Armen der gesegneten Nacht.

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Er hielt sie empor,
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Gen Himmel empor, in strahlendem Arm,
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Und der Ewigkeit Segen
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Umsäuselten sanft das mitkundige Kind.

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Willkommen! Willkommen!
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Erwünschter Tag!
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Dein wehender Flug
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Ist erfreuender, labender mir,
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Als selbst in Hesperiens Gärten mir war
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Des Frühlings Kuß;
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Als in Ätnas Thalen mir war
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Duftende Wallung der kühlenden Luft.

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Leben des Menschen,
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Ein Wunder dem Forscher!
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Sich selber ein Rätsel,
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Wünschet, in Erde gehüllet, der Geist.
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Sein Wunsch ist Befehl!
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Die umhüllende Erde gehorcht!
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Umgürtet mit Kraft,
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Erhebt er den Arm;
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Dienstbar wallet und steht
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Auf seine Befehle der Fuß.

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Auf Wogen erschallender Luft
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Tönt der Gedanke!
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Es schwebet auf Seufzern,
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Schwimmt in der Thräne,
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Strahlet in freudigem Blick

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Die Empfindung, und fleugt
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Wie Bienen von Blume zu Blume;
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Steigt wie der Adler
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Gen Himmel empor!

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Sohn und Krone der Natur,
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Steht in seiner Kraft
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Der stolze Mensch,
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Bis ein Hauch der Luft,
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Der des Wurmes schonte,
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Den Sohn und die Krone der Natur
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Stürzet in Staub.

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Leben der Natur,
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Bist nicht wahres Leben!
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Frönest dem Tode,
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Der Made Genoß!

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Wie in ersten Tagen
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Des verheißenden Lenzes
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Das Kind im Garten
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Der geschnitzten bunten Stäbe sich freut,
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Unkundig des Lebens,
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Das neben dem Stabe,
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Gehüllet in Erde,
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Sich keimend bewegt:
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So freut sich der Mensch
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Des nichtigen Lebens,
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Und hält für die Pflanze
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Des Gärtners Stab.

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Himmlischem Samen
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Entsprosset die Pflanze
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Geheimeres Lebens.
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Wer spähte die Fasern
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Der untersten Wurzel?
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Den Sprößling des Himmels
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Nährt himmlischer Tau,
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Im segnenden Strahl
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Der ewigen Sonne!

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Wie heißet das Licht
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Der ewigen Sonne?
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Sein Name ist Wahrheit!

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Wie heißet die Glut
77
Der ewigen Sonne?
78
Ihr Name ist Liebe!

79
Schauer der Ehrfurcht,
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Der Freude Schauer,
81
Beben mir, o Geliebte! durch Mark und Gebein,
82
Beim Gedanken an dich,
83
Die du sonnest im Strahl
84
Der ewigen Sonne!

85
Heb', o Geliebte!
86
Heb', o Gesegnete des Herrn!
87
Auf deinen Schwingen,
88
Zur ewigen Sonne,
89
Heb', o Geliebte, mich empor!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg
(17501819)

* 07.11.1750 in Bad Bramstedt, † 05.12.1819 in Gut Sondermühlen

männlich, geb. Stolberg

deutscher Politiker und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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