Noch nie erscholl ein Name der Mächtigen

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Friedrich Leopold Graf zu Stolberg: Noch nie erscholl ein Name der Mächtigen Titel entspricht 1. Vers(1792)

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Noch nie erscholl ein Name der Mächtigen
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Zu meiner Leier, Jüngling; ich weihte sie
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Den Freunden nur und Gott, und süßem
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Häuslichen Glück, und der Liebe Thränen,

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Und dir, Natur, im Hain und am Meergestad',
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Und dir, o Freiheit! Freiheit, du Hochgefühl
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Der reinen Seelen! Deinen Becher
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Kränzt' ich mit Blumen des kühnen Liedes!

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Und werd' ihn kränzen, weil eine Nerve mir
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Noch zücket! werd' ihn kosten mit zitternder
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Und blauer Lippe, wenn des Todes
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Hand mir ihn reichet in hehrer Stunde.

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Nun wind' ich junge Blumen im Kranze dir,
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O Jüngling, weil du früh es nicht achtetest
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Zu herrschen über Sklaven, weil du
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Forschetest, hörtest, beschlossest, thatest!

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Das Joch des Landmanns drückte Jahrhunderte;
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Du brachst es! Hör' es, heiliger Schatte du
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Von meinem Vater, der das Beispiel
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Diesseit der Eider, und dann am Sund gab.

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Du brachst es, Jüngling! wandtest errötend dich
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Vom Dank des Landes, sahst auf dem Ocean
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Der Handlung Bande, die des Neides
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Hand und der Habsucht im Finstern knüpfte.

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Zerrissest leicht wie Spinngewebe sie,
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Daß nicht die stolze Fichte des Normanns mehr
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Dem Bruderhafen huldigt, eh sie
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Schwellende Segel dem Ostwind öffne.

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Nicht gleiche Gaben spendet des Vaters Hand
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Den Völkern; Eisen starret im Schachte dort,
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Hier wanken Ähren, unsers Tisches
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Freude gedeihet auf fernen Bergen.

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Zum freien Tausche ladet der Vater ein;
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Doch schmiedet, hart und klügelnd, der blinde Mensch
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Dem Tausche Zwang; der biedre Normann
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Kaufte sein Brot auf verengtem Markte.

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Nun reifen fremde Saaten für ihn, wenn früh
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Erwacht der Winter auf dem Gebirge sich
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Ausstrecket, und von starrer Schulter
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Glänzende Flocken in Thäler schüttelt.

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Ich sah dich handeln, Jüngling, und freute mich
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Doch nur mit halber Freude! Lud Danien
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Nicht häufend noch auf seine Schulter
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Fluch des zertretnen, zerrißnen Volkes,

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Uneingedenk der heiligen Lehren, und
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Für jene Ader fühllos, die Gottes Hand
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Im Herzen spannte, daß sie klopfend
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Unrecht und Recht und Erbarmen lehre?

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Von Menschen kaufte Menschen der Mensch, und ward
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Ein Teufel! – Wer vermag den getrübten Blick
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Zu heften auf des armen Mohren
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Elend und Schmach und gezückte Geißel?

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Aufs schwangre Weib, das jammernd die Hände ringt
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Am krummen Ufer? – Thränenlos starret sie
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Dem fernen Segel nach; noch schallt ihr
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Dumpf in den Ohren das Hohngelächter

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Des Treibers, noch der klirrenden Kette Klang,
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Und ihres Mannes Klage, das Angstgeschrei
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Der jüngsten Tochter, die der Wütrich
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Ihr aus umschlingenden Armen losriß. –

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Du setzest Ziel dem Greuel, ein nahes Ziel!
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Errötend staun' und ahme dein Beispiel nach
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Der Britte, will er wert der Freiheit
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Sein, die auf Weisheit und Recht sich gründet.

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Gott setze deinen Tagen ein fernes Ziel,
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O Jüngling! keins dem Segen, der dein einst harrt!
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Sei deinen Tausenden noch lange
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Bruder! Nur einer ist aller Vater!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg
(17501819)

* 07.11.1750 in Bad Bramstedt, † 05.12.1819 in Gut Sondermühlen

männlich, geb. Stolberg

deutscher Politiker und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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