85. Winterlied

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Friedrich Leopold Graf zu Stolberg: 85. Winterlied (1786)

1
Da laurt er hinter
2
Dem Boreas,
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Der alte Winter,
4
Und dörrt das Gras;
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Hat mir verhunzet
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Des Gartens Zier,
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Und knurrt und grunzet
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Vor meiner Thür.

9
Er steht und rüttelt
10
Bei Nacht und Tag
11
Am Baum, und schüttelt
12
Die Eulen wach.
13
Da grinzt und schnaubet
14
Das Ungetüm
15
Im Wald, und raubet
16
Mit Ungestüm.

17
Die Füchse gellen
18
Vor seinem Zorn;
19
Bis zu den Quellen
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Erstarrt der Vorn.
21
Er treibt die Rinder
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Mir in den Stall,
23
Und kneipt die Kinder,
24
Wie Rübezahl.

25
Er thut nicht fremde
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Vor Mann und Frau;
27
Im weißen Hemde
28
Steht er zur Schau:
29
Er steht, und rupfet
30
Am weichen Saum
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Der Wolk', und zupfet
32
Den weißen Flaum;

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Und bettet frühe
34
Wohl ohne Zelt,
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Und sonder Mühe,
36
Auf hartem Feld;
37
Auch schnarcht und stöhnet
38
Er manche Nacht
39
Im See, und dehnet
40
Sich, daß es kracht.

41
Er äfft possierlich
42
Dem Frühling nach,
43
Und kritzelt zierlich,
44
Im Schlafgemach,
45
Vor meinem Fenster,
46
So Blum' als Wald;
47
Doch wie Gespenster
48
Zerrinnt es bald.

49
Auch an den Bäumen
50
Weiß er gar fein
51
Mit Reis zu säumen
52
Die Zweigelein.
53
Er übt am Himmel
54
Auch seine Kunst;
55
Malt Schlachtgewimmel
56
Aus hellem Dunst.

57
Und Schwerter zischen
58
In heller Nacht;
59
Und Riesen mischen
60
Sich in der Schlacht.
61
Der Landmann zittert
62
Beim Ebentheu'r;
63
Der Küster wittert
64
Des Krieges Feu'r.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg
(17501819)

* 07.11.1750 in Bad Bramstedt, † 05.12.1819 in Gut Sondermühlen

männlich, geb. Stolberg

deutscher Politiker und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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