Das Hohenzollernbuch

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Felix Dahn: Das Hohenzollernbuch (1873)

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Dies Buch will wandern in die deutschen Häuser!
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Ein Stück des deutschen Hausrats will es werden,
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Doch nicht im Prunksaal stehn bei anderm Prunk, –
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Nein, auf dem Tisch, darum allabendlich
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Der Lampe Schein die Eltern und die Kinder
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Versammelt nach vollbrachtem Tagewerk, –
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Dort will es ruhn, vertraulich, handgerecht. –
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Aufschlagen soll's der Vater hie und da
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Und soll daraus den trotzgemuten Knaben,
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Den blondgezöpften Mädchen kurz und schlicht
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Berichten von den Freuden und den Leiden
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Des Hauses Hohenzollern;
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Wie sie, entsproßt dem Stamm der Alamannen,
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Bei ihrem Flug vom Schwabenland zur See
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Auf Nürnbergs Feste kurz den Fittich ruhten,
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Bis immer weiter sie der Adlerschwung
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Bis an das Bernsteinhaff nach Osten trug.
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Und wie zuletzt, zurück zum Süden greifend,
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Sie alle deutschen Stämme fest vereint,
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Vereint im Glanz der kaiserlichen Krone,
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Die ihnen dort auf Sedans Hügelrund
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Der Gott des Siegs geschmiedet in der Schlacht! –

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Doch nicht von Siegen und von Freuden nur,
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Von böser Zeit auch meldet dieses Buch:
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Ja, auch dem Schmerz gebühret sein Gedenktag.
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Er mahnt uns erst, wie selbst verschuldet Unheil
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Am schwersten drückt: jedoch er lehrt uns auch,
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Wie aus dem Abgrund Mannesmut sich hebt
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Am starken, treuen Eichenstab der Pflicht,
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Er lehrt, wie Arbeit, unermüdbar zäh,
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Aus jenem kargen, vielgeschmähten Nordland,
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Dem Sand der Mark, den Sümpfen von Masuren
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Dies Preußen schuf, dem als dem Schild des Friedens
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Jetzt ganz Europa dankt. – Das tat die Zucht,
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Das tat die harte Zucht der Hohenzollern,
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Die strenge Zucht der Arbeit und der Pflicht:
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Der Arbeit mit dem Pflug und mit dem Schwert,
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Der Pflicht wie auf der Schulbank, auf dem Schlachtfeld:
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Sie hielt in Preußen Fürst und Volk vereint
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Und Glück wie Unglück teilten sie getreu.

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Jedoch dies Buch ist nicht ein totes Buch,
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Nicht abgeschlossen ist's und abgetan:
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Es lebt! Es wird noch stets daran geschrieben,
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So lang am Stamm des Kaiserhauses noch
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Ein Reis nur grünt, nur Eine Wurzel treibt.
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Allein nicht die Gelehrten setzen's fort!
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In jedem Haus führ' es der Vater selbst:
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Raum findet hier noch mancherlei Gedenktag! –
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Und wie die Glocke Freud und Leid verkündet,
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Den Sieg, den Brand, die Hochzeit und den Tod,
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So soll dies Buch ein stummes Zeugnis geben
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Von Lust und Leid im Haus der Hohenzollern
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Und, so vererbt vom Vater auf den Sohn,
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Soll's lehren von Geschlechte zu Geschlecht,
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Wie Glück und Schmerz des Kaiserhauses eins
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Mit Glück und Schmerz sind dieses deutschen Volks.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Felix Dahn
(18341912)

* 09.02.1834 in Hamburg, † 03.01.1912 in Breslau

männlich, geb. Dahn

deutscher Jurist, Schriftsteller, Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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