Die tote Nachtigall

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Felix Dahn: Die tote Nachtigall (1873)

1
Ach, daß am Fuß der duft'gen Linde,
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Die oft dein wonnig Lied durchdrang,
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Ich tot dich, glüh'nder Sänger, finde!
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Ob dir vor Drang das Herz zersprang?
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Oft liegt Verderben im Gesang!

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Dem Sänger Heil, des heiße Jugend
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Die Kraft geübt hat, nicht entweiht,
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Daß ihm der Dichtung höchste Tugend,
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Des Maßes stille Heiligkeit,
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Nun vollgereift das Alter leiht.

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Oft denk' ich dein wildfeurig Singen,
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Du allzu kühner Spielgenoß,
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O Heinrich, du von Ofterdingen:
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Wann voll das Lied vom Mund dir floß,
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Wie heiß dein Blick dann Flammen schoß!

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Wohin hat dich der Sturm vertragen,
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Du heller, stolzer, junger Stern?
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Verlodert bist du und zerschlagen,
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Eh' voll gefestigt war dein Kern. –
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Wem's besser ward, der dankt's dem Herrn.

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Heißherzig, kleines Singeseelchen,
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Dich bett' ich hier nach Waldesbrauch
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In grünem Moos –: da singt Rotkehlchen
24
Das Grablied dir vom Rosenstrauch,
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Und über dir Sang, Duft und Hauch. –

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Wo wirst einst du wohl schlummern, Walther?
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O legt mich in den Domhof nicht,
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Wo mir ein Marbelstein, ein kalter,
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Ruht auf der Brust mit Lastgewicht,
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Absperrend Himmel, Luft und Licht.

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Nein! In den Wald sollt ihr mich tragen
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Und betten unter'm Moose grün,
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Daß Nachtigallen um mich schlagen,
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Und wilde Rosen um mich blühn:
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Und, wann des Winters Flocken sprühn,

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Auf meinem schneebefreiten Grabe
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Sollt ihr den Vöglein Futter streun,
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Daß sie an ihres Freundes Gabe,
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Wann Frost und Hunger sie bedräun,
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Noch lang nach seinem Tod sich freun.

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Ob dann wohl in der Sterne Hallen
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Mein Saitenspiel aufs neue klingt?
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Ob, gleich der Brust der Nachtigallen,
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Die Saite, die im Herzen schwingt,
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Für immerdar im Tode springt?

46
Wer weiß es! – Walther, sei zufrieden
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Mit dem, was dir auf Erden ward:
48
Denn wem das Schöne ward beschieden,
49
Der hat – ihm ist der Tod nicht hart –
50
Die Ewigkeit in Gegenwart.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Felix Dahn
(18341912)

* 09.02.1834 in Hamburg, † 03.01.1912 in Breslau

männlich, geb. Dahn

deutscher Jurist, Schriftsteller, Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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