Das Taubennest

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Felix Dahn: Das Taubennest (1873)

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Im Geschatt von dichten Zweigen
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Lag ich tief im Eichenhag,
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Ringsum Waldesmittagschweigen:
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Fern nur Spechtes Schnabelschlag.

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Und ganz leise mir zur Seiten
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Rann der Moosquell wispernd hin:
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Drüber der Libelle Gleiten,
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Der beschwingten Schweberin.

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Und ich dachte: »Schön ist's einsam:
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Sang und Traum naht keinem Paar:
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Aber schöner ist's gemeinsam:
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Da wird Sang und Traum erst wahr.

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Walther, war es dir zum Besten,
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Daß stets einsam bliebest du?« – – –
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Horch, da hoch aus grünen Ästen
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Scholl's hernieder: »Rukuruh!«

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Oben in den Wipfellauben,
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Tief im lauschigsten Versteck,
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Lag ein Nest von wilden Tauben
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Und sie ätzten das Geheck.

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Und ich sah – ich sah's mit Neiden,
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Ich, der ungeweibte Mann, –
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Wie so eifrig da von beiden
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Liebgetreues Werk begann.

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Wie die Täubin, nimmer säumig,
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Flog zu Nest, gefüllt den Kropf,
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Wie der Nestling, wollefläumig,
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Reckte Fittich, Schopf und Kopf.

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Wie dann auch der Tauber kehrte,
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Fütternd wechselnd mit dem Weib,
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Und dazwischen gurrend lehrte
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Süßer Weisen Zeitvertreib. – –

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Herrin, ach von stolzem Sinne!
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War der Sänger dir zu arm?
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Seine Treue, seine Minne
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War wie keine treu und warm! –

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Walther auf! – Es neigt die Helle,
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Tiefre Schatten fallen ein,
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Walther, heimwärts! Deine Zelle,
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Ach, die leere, harret dein.

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Nicht ganz leer! – Zum Notbedarfe
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Tröstung dir dein Stern beschied:
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Deine Hausfrau ist die Harfe,
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Und dein Kind dein ewig Lied.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Felix Dahn
(18341912)

* 09.02.1834 in Hamburg, † 03.01.1912 in Breslau

männlich, geb. Dahn

deutscher Jurist, Schriftsteller, Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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