Im Friedhof, wo die Weiden schwanken

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Felix Dahn: Im Friedhof, wo die Weiden schwanken Titel entspricht 1. Vers(1873)

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Im Friedhof, wo die Weiden schwanken,
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Schritt ich mit sinnenden Gedanken. –
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Da sang, an eines Grabes Saum,
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Blaukehlchen hell von hohem Baum.
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Blaukehlchen führt, wie jeder weiß,
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Zugleich
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Und Hart und Weich und Herb und Lind
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Rasch wechselnd ihm zu eigen sind:
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Du schaust Ein Vöglein auf dem Ast,
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Daß zweie sängen, schwörst du fast. –
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Des gleichen Wunders wieder heute
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Ich mich im grünen Friedhof freute:
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Denn, wechselnd, aus den Weidenzweigen,
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Stolz fächernd breiten Schweif mit Neigen,
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Zweistimmig sang das Vöglein dort
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An deinem Grab, Schalk Wunnebrord,
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Den, widers Blut, noch ungeboren,
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Gelübde hat zum Mönch geschoren:
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Die Mutter schwor's: – so ward's der Sohn.
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Die Kirche trug kein Heil davon!
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Er, Kellrer in dem Kloster Fuld,
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Trug mehr dem Faß als Fasten Huld,
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Und unterwies er uns, die Jungen,
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Sang er in zwei verschiednen Zungen:
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»vom Übel ist der firne Wein!«
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– (Doch trank ich nie genug noch sein!) –
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Das Alter nur hat weise Tugend,
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– (Doch wahre Lust hat nur die Jugend!) –
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Man soll nur singen Mess' und Psalter,
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– (Ein Taglied tönt viel süßer, Walther!) –
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Zur Hölle führet Weiberkuß,
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– (Ein Tropf, wer sein entraten muß!) –
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Dem Feind verzeihn, ist Christenpflicht,
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– (Heil, wer ihm sieben Rippen bricht!) –
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Wer trinkt, brennt einst im Schwefelloch,
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– (Doch brennt der Durst viel heißer noch!)
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Heil, wer da stirbt in frommem Beten,
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(doch sel'ger unter Kriegsdrommeten!) –
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Jungfrau Maria preis' ich sehr,
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– (Jedoch Frau Minne noch viel mehr!«)
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Zweisprachig so sang Wunnebrord:
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Nun, friedlich schweigend, schläft er dort,
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Wo über ihm Blaukehlchen singt
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Und seinen Zwiespalt weiter klingt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Felix Dahn
(18341912)

* 09.02.1834 in Hamburg, † 03.01.1912 in Breslau

männlich, geb. Dahn

deutscher Jurist, Schriftsteller, Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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