Der Kranich

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Felix Dahn: Der Kranich (1873)

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Hier, wo die letzten, lichten jungen Erlen
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Auf Vorwacht stehn des Walds von Kloster Zell,
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Am braunen Moosquell, drin die raschen Schmerlen
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Wie dunkle Schatten fliehn und hüpfen schnell,
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Wo tief im breiten Tal mit Silberperlen
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Der gelbe Main manchmal emporblitzt hell
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In stolz geschwungnem, leisem, sanftem Gleiten, –
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Hier ruh' ich oft, gedenkend andrer Zeiten.

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Der Frost hat schon der Buchen Laub und Eichen
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Goldrot gefärbt: es lasten voll gereift
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Die Trauben dort am »
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Der Wildschwan singend durch die Nächte streift,
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Doch hier im Abenddämmer seh' ich streichen
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Den Kranich, der die Wanderstrophe pfeift:
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Er zieht gen Süden über Meer und Eiland:
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Jerusalem – dich sucht er und den Heiland. –

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Da steigt ein Bild mir auf blickferner Länder:
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Auch dort ein Strom, der zögernd gleitend rinnt
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Am Fuße gelb gebrannter Hügelränder.
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Drei Palmen nicken dort im Abendwind:
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Horch, Rossewiehern – flatternde Gewänder –
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Und Allahruf: – der Wüste rasch Gesind'
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Umtobt uns rings – es schwirrt von Pfeil und Speeren –
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Da stürzt mein Hengst – jetzt gilt's, dem Tode wehren –!

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Schon birst mein Helm vor'm Damaszener Schwerte,
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Den langen Kreuzschild spaltet mir ein Beil –
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Da springt Er bei, mein edler Sturmgefährte,
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Er selbst, sein Leib mein Schild: – da zischt ein Pfeil
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Ins Herz ihm, in das todestreu bewährte!
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O Kranich, hemme dort des Fluges Eil',
31
Wo um den Wüstenbronn drei Palmen ragen,
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Und sag' ihm: ewig werd' ich um ihn klagen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Felix Dahn
(18341912)

* 09.02.1834 in Hamburg, † 03.01.1912 in Breslau

männlich, geb. Dahn

deutscher Jurist, Schriftsteller, Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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