Vorgesang

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Felix Dahn: Vorgesang (1873)

1
Kein liebes Vöglein kommt zu Leide,
2
Das mir in Garn und Schlaghaus geht:
3
Im Winter, wann durch Wald und Heide
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Der Eiswind und der Hunger weht,
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Da trifft in meiner Halle Weide,
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Was zierlich Schopf und Fittich dreht:
7
Frei, sonder Käfig, hüpfen sie
8
Auf Harfe mir, auf Buch und Knie.

9
Dann sitz' ich, deckend Bein mit Beine,
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Das Kinn geneigt zur Hand geschmiegt,
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Bei mattem Wintersonnwendscheine
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Durch Hänflingsang in Lenz gewiegt,
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Und bis zum Jordan, fern vom Maine,
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Gedenken frührer Zeit mir fliegt,
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Gedenken, wie ich rang und stritt
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Und wie ich minnte, sang und litt. –

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Doch, wann der Frühling kaum vom weiten
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Den scheuen Gruß der Halde beut,
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Wann in dem roten, eisbefreiten
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Geknosp der Saft sich schwellend neut,
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Wann schüchtern um die Dämmerzeiten
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Zuerst die Amsel lockt – wie heut' –:
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Dann schließ' ich auf die Winterfeste
24
Und hui! entschwirren meine Gäste. –

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Und Undank ist nicht Vöglein Weise!
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Sie kennt mich gut, die luft'ge Schar:
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Zieh' ich im Mai auf grüne Reise,
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Werd' ich geleitet wunderbar.
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Das singt und flattert laut und leise
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Zu Häupten dicht mir um das Haar
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Und grüßt: »Herr Wirt der Winterrast, –
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Im Walde bist du

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Und nun hebt's an. In Ätherreine
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Trilliert der Lerchen Morgenchor,
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Schwarzköpflein singt im Busch, das feine,
36
Herr Fink schlägt schmetternd mir ins Ohr,
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Bachstelzlein wippt auf feuchtem Steine
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Und aus dem Eichstumpf lugt hervor,
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Mit silbertönigem Gepiep,
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Zaunköniglein, der kleine Dieb.

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Ja, rings im Buchhag schwankt kein Reislein,
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Von dem kein: Waldwillkomm! mir hallt,
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Im Klopfen rasten Specht und Meislein,
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Der Pirol flötet, daß es schallt,
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Im niedern Weidicht schreit das Zeislein:
46
»herr Walther kam zum grünen Wald«,
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Nur Nachtigall setzt sich zu ruhn:
48
»du kamst und singst: – so schweig' ich nun.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Felix Dahn
(18341912)

* 09.02.1834 in Hamburg, † 03.01.1912 in Breslau

männlich, geb. Dahn

deutscher Jurist, Schriftsteller, Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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