Karl IX. nach der Bartholomäusnacht

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Felix Dahn: Karl IX. nach der Bartholomäusnacht (1873)

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Der König Karl war leichenfahl:
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Er wankte durch den leeren Saal.

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»wie lang doch eine Novembernacht,
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Wenn man sie einsam still durchwacht!
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Wie flog die gestrige vorbei
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Mit Schießen und brüllendem Mordgeschrei! –

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Ich kann nicht Menschen um mich haben:
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Sie riechen nach Blut wie Leichenraben. –

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Bei dem ersten Rapport, – wie dem schwarzen Tavannes
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Schon das Blut so rot aus dem Barte rann!
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Und zu neuem Jagen lief er fort,
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Seine gellende Losung: ›Tod und Mord!‹

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Und des jungen Guise zerkratztes Gesicht!
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Er lachte: ›Das half der Ketzerin nicht!
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Ich hab' sie gezwungen und dann erschossen!‹
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Daß er mir's erzählte, das hat mich verdrossen:
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Und wie in die Seine sprangen zwei Schwestern – –:
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Ich kann sie nicht sehn, die Genossen von gestern.

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Wenn nur die Sekunde vorüber wär',
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Da die Glocke des Louvre, dumpf und schwer,
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Das Zeichen gab, wie wir's ausgemacht:
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Das war ein Viertel vor Mitternacht:
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Wie rasch gleich drauf das Pistol gekracht! –

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O Mutter, ich wälz' es auf dein Gewissen!
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Du hast an der zögernden Hand mir gerissen!
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Ich wollte nicht dran! – Es ward mir bang: –
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Du schobst in die Faust mir den Glockenstrang
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Und zerrtest mich plötzlich ... –
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Horch! Welch' ein Klang! –
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Hui weh! Da schlägt es Dreiviertel! – Weh! –
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Rings blutige Schatten, wohin ich seh'!

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Luft! Luft! Ich ersticke! Rings wirbeln Gespenster!
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Rasch auf mit dem Laden! – Weh, das ist das Fenster:
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Hier schoß ich heraus! Angoulême lud! –

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Was wirbelt herein wie Nebelflut?
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Aus dem Nebel schwillt eine weiße Gestalt –:
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Ach, ich kenne dies Haupt mit dem klaffenden Spalt,
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Mit den rieselnden Wunden ohne Zahl –
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Mit dem silbernen Haar! – Ich nicht, Admiral!
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Der Guise war's und Paul Medici, –
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Ich war nicht darunter, Coligny!
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Er greift mich! Zu Hilfe! Wachen, herbei!« – –

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Durch das schweigende Louvre schrillt sein Schrei. – –

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Der König hat nach dieser Nacht
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Nicht eine mehr allein verbracht:
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Zumauern ließ er das Erkerfenster:
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Doch es schwebten durch Ziegel und Kalk die Gespenster,
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Und sie haben ihn blaß und schweigend umschwebt
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In jeder Nacht, die er noch gelebt. – –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Felix Dahn
(18341912)

* 09.02.1834 in Hamburg, † 03.01.1912 in Breslau

männlich, geb. Dahn

deutscher Jurist, Schriftsteller, Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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