Die Lady von Campion-Hall

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Felix Dahn: Die Lady von Campion-Hall (1873)

1
»was klinget und singet vor meinem Schloß?
2
Was woget so bunt? – Ein Zigeunertroß!
3
Mein Gemahl ist in London, der strenge Lord,
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Mit Hunden wohl hetzte der sie fort!
5
Ich aber, ich will – her ist's gar lang –
6
Mich einmal letzen an Tanz und Sang.«

7
Und herab die Terrasse die Lady schritt, –
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Ihr Fuß war klein und leicht ihr Tritt:
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Sie winkt mit dem Fächer, – der Reigen beginnt:
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Wie flattern die schwarzen Locken im Wind,
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Wie schmettert die Zimbel, das Tamburin,
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Wie brausen und sausen die Paare dahin!

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Da tritt mit der Laute der Fiedler zu ihr:
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»o Lady, fair Lady, nun lausche du mir!
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Des Tanzes nur achtet dein Schloßgesind – –
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Gedenkst du noch Schottlands, Berthalind?«
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Da wurde vor Schreck sie blaß und rot:
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»du, Edgar? Mein Edgar? O läg' ich tot.«

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»tot lagst du drei Jahre beim eisigen Greis:
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Nun sollst du erwachen zum Leben heiß.
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Sie haben gebrochen mein Ritterschloß,
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Doch blieb mir die Laute, das Schwert, das Roß:
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Und mein ward die Heide, das Waldmoos weich
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Und aller Zigeuner Königreich!

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Dein Bett ist von Silber, dein Kamm von Gold,
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Demanten dir decken den Busen hold,
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Dich trägt die Sänfte von Pardelfell,
28
Dein Spiegel Kristall von Venedig hell: – –
29
Komm mit! Komm mit! laß alles zurück,
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Nur Lieb' ist Leben und Glanz und Glück.

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Dein Bett wird das duftige Heidekraut,
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Statt Demanten dir Perlen die Mainacht taut,
33
Deine Sänfte mein Arm, dein Spiegel der See,
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Dein Kamm meine Finger, dein Gespiel das Reh,
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Dein Kissen diese vieltreue Brust, –
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Dein Los – nie ausgeschöpfte Lust.«

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Und der Mond ging auf über Campion-Schloß:
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Da jagt in den Tann ein schwarzbraun Roß:
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Der Hunde Gebell, der geketteten, hallt.
40
Ein Mantel fliegt und ein Schleier wallt:
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Jetzt sind sie verschwunden – sie ritten zu zweit: –
42
Wer will sie erspähen? – Die Welt ist weit!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Felix Dahn
(18341912)

* 09.02.1834 in Hamburg, † 03.01.1912 in Breslau

männlich, geb. Dahn

deutscher Jurist, Schriftsteller, Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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