»so liegt er im Sarg denn, der Schotte, der all' mein Glück zerstört

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Felix Dahn: »so liegt er im Sarg denn, der Schotte, der all' mein Glück zerstört Titel entspricht 1. Vers(1873)

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»so liegt er im Sarg denn, der Schotte, der all' mein Glück zerstört,
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Dem sie Lady Maud gegeben, der einst mein Herz gehört!

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Das sind nun zwanzig Jahre! – Ich glaub', es gehört ihr noch –:
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Denk' ich nur ihren Namen, erhebt's ein wild' Gepoch'.

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Wer soll die Witwe schützen nun gegen meinen Zorn?
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Ihr Warwicks, auf, wir reiten! Stoßt laut ins Fehdehorn!

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Ihr Marwoods und ihr Mordreds, ihr Mallets, stoßt ins Horn!
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Will wieder einmal traben durch die Buchen von Douglas-Borne!«

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So rief der grimme Warwick, sein Graubart flog im Wind.
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Da sattelten seine Vettern, so viel' an dem Teviot sind.

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Die Marwoods wollten den Wildbann, die Mallets wollten den Zoll:
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Der alte Warwick aber wollte kühlen seinen Groll.

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Weit zog voraus er allen; fort trug sein Grimm ihn stark.
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Allein, bei Morgengrauen, ritt er über die Schottenmark. –

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Das war im frühen Maien. – Aufstieg der junge Tag,
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Da sprengt' er in des toten Douglas Buchenhag. –

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Und als den Ungestümen der stille Wald umfing,
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Zog er gemach den Zügel: – im Schritt der Rappe ging.

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Und über sich und um sich wie staunend sah der Mann
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Und strich sich unterm Helmdach die Brauen und hob an:

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»wie glänzt das junge Buchlaub lichtgrün im Morgenstrahl!
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Tau funkelt auf den Büschen und Goldduft füllt das Tal.

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Dort äugt das Reh, das falbe! Da warnt des Hähers Schrei!
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Wildtaube huscht, die scheue, pfeilschnellen Flugs vorbei.

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Zur Linken rauscht der Waldbach: – er zieht so silberhell:
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Da springen nach tanzenden Mücken die Asch' und die Forell'.

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Wie duftet süß der Weißdorn, umsummt von Bienen zu Hauf'! – –
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Mir steigt wie Traum und Zauber ein

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Da hatten sie den Vetter noch nicht ihr aufgedrängt!
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Gar oft an Maienmorgen kam ich hierher gesprengt. –

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Wie feierlich da flötet es hoch vom Buchenbaum!
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Schwarzamsel! Ja, du freilich gehörst in diesen Traum.

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Dort, an der Brücke, war es – am dichten Schlehdornstrauch,
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Dort trafen wir uns so gerne: – dann sangst du, Amsel, auch. –

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Da wuchsen blaue Glocken so schön wie nirgend im Gau:
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Weiß Gott: – da stehn sie wieder und grüßen und nicken im Tau.

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Sie brach mit lichten Händen die Blumen sich zum Kranz
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Und schlang ihn um ihr Goldhaar – Ha! Wie? Bei Gottes Glanz!

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Was seh' ich an der Brücke, dort, unter den Glocken, knien?
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Verblenden mich die Elfen? Soll ich dem Spuk entfliehn?

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Nein, nein! Sie ist's! – Wie damals: – 's ist alles, wie es war!
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Das weiße Gewand und die blauen Glocken im goldnen Haar!«

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Und er springt vom Roß: »Nun sage, du Kleine, du bist doch Maud?
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O sprich, bist du gestorben und erscheinst mir nach dem Tod?«

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Da sah ihn hell die Kleine mit lachenden Augen an:
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»maud bin ich freilich! Gestorben? Ein Geist? Ei, rühr' mich an.«

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Und langsam, sinnend, streicht er mit der erzgepanzerten Hand
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Ihr über Haupt und Locken, die lächelnd vor ihm stand.

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»sie ist's – sie selbst! – Ach nein doch! – Ihre
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»ach,

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Kind, sprich, wie kannst du's wagen? Wie läßt dich Lady Maud
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Allein in dem Grenzwald wandeln? – Lord Douglas, der liegt tot:

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Er hatte viele Feinde – von Fehde seid ihr bedroht.«
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»das weiß ich,« lachte die Kleine. »Doch hat es keine Not.«

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»du könntest irren, Kecke.« – »Nein, die Mutter hat's gesagt! –
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Als an dem Sarg des Vaters das Gesinde Furcht geklagt:

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Da sprach die liebe Mutter: »Ihr Leute, zaget nicht!
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Mich wird ein Held beschützen, dem keiner den Schild zerbricht.«

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Da furchte grimm der Alte die Brauen und fuhr ans Schwert:
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»ha, wer ist dieser Schützer? Wie heißt der Degen wert?«

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»so fragt' auch ich die Mutter. Die sprach: ›Das ist ein Mann,
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Den ich in früher Jugend zum lieben Freund gewann.

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Lord Warwick ist sein Name. Er trug mir Groll im Sinn:
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Doch nun, da ich von allen so ganz verlassen bin,

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Da mir auf weiter Erde nicht ein Beschirmer lebt,
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Nun weiß ich ganz gewißlich –‹ Ei, wie dir die Lippe bebt?« –

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»was sagte sie? Vollende!« – »Nun weiß ich sicherlich:
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Der ritterliche Warwick beschützt mein Kind und mich.«

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Da sank der Alte nieder vor dem Kind auf beide Knie'
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Und griff nach ihrem Haupte, auf die Stirne küßt' er sie.

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Und nahm aus ihren Locken den Glockenblumenkranz,
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Sprang auf und rief: – im Auge stand ihm ein feuchter Glanz: –

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»maud, laß mir diese Blumen! Und deiner Mutter sag':
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Lord Warwick wird uns schützen bis zum letzten Herzensschlag!« – –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Felix Dahn
(18341912)

* 09.02.1834 in Hamburg, † 03.01.1912 in Breslau

männlich, geb. Dahn

deutscher Jurist, Schriftsteller, Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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