König Alfred

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Felix Dahn: König Alfred (1873)

1
»in harter Not liegt Engelland!
2
Es sind mit tausend Kähnen
3
Die gottverhaßten Dänen
4
Gelandet an des Humber Strand:
5
Durch Yorkshire wütet Mord und Brand,
6
Und wo ist König Alfreds Hand,
7
Zu trocknen unsre Tränen?

8
Er fiel, er fiel der teure Held
9
Von einem scharfen Speere!
10
So bringt's die blut'ge Märe!
11
Kein Retter steht uns mehr im Feld:
12
So räumt denn diese Inselwelt,
13
Die Hengst und Horsas Asche hält,
14
Und suchet neue Meere!«

15
So schallt's im Gaugericht zu Kent
16
Bei Grafen und bei Thanen,
17
Zu rascher Flucht zu mahnen.
18
Da ist kein Mund, der Hilfe nennt:
19
Schon ist der Schöffen Kreis getrennt,
20
Schon senken sich – des Dinges End' –
21
Vom Lindenbaum die Fahnen.

22
Da trat hervor ein Harfner alt:
23
Er stand am Stamm der Linde,
24
Es flog sein Haar im Winde:
25
Vom Kriegermantel braun umwallt
26
Stolz reckte sich die Erzgestalt,
27
In seinem Schild' ein breiter Spalt,
28
Sein Haupt verbarg die Binde.

29
»gemach, ihr lieben Herr'n zumal,
30
Ich will euch nicht betören,
31
Nicht euren Ratschluß stören:
32
Doch komm' ich frisch von blut'ger Wal: –
33
Sprecht, wollt ihr nicht zum letztenmal
34
Von eurem Herrn, der dort befahl,
35
Von König Alfred hören?«

36
»von König Alfred!« – ruft die Schar –
37
Und alles bleibt, zu lauschen
38
Und feuchten Blick zu tauschen, –
39
»weißt du von seinem Ende gar?
40
O, sing' von ihm, wie groß er war!«
41
Da blitzt des Harfners Auge klar,
42
Und seine Saiten rauschen:

43
»o Wodenswood, du arges Feld,
44
Fluch sei mit deinen Eichen!
45
Da ward von Dänenstreichen
46
Manch' alter Sachsenschild zerspellt!
47
Und, kühn zum Fußkampf erst gestellt,
48
Nach seinem Hengst rief mancher Held,
49
In Flucht hindann zu weichen.

50
Das dünkte König Alfred schlecht:
51
Er jagte hin und wieder
52
Durch alle Reiterglieder,
53
Und rief: ›Ein Sachse, treu und echt,
54
Harrt aus im Tod, ob Than, ob Knecht!‹ –
55
Und sprang herab zum Fußgefecht
56
Und stach sein Streitroß nieder.

57
Und nahm von York das Sturmpanier,
58
Der Bauern Kampfgenosse,
59
Und trug's in die Geschosse.
60
Da schlug ein Beil ihm ins Visier,
61
Schlug ihm vom Helm die Kronenzier, –
62
Schlug ihm ins Haupt, zum Tode schier,
63
Und über ihm die Rosse! –

64
Lang lag er so, die Nacht war kalt –
65
Da weckten ihn mit Kratzen
66
Des Leichenwolfes Tatzen –
67
Er schlug – das Untier wich alsbald –:
68
Da dacht' er, wie des Feinds Gewalt
69
Nun wird sein Land vieltausendfalt
70
Verwüsten, heeren, schatzen.

71
Das brannte mehr als Wundenschmerz!
72
Er hätt' sich gern gewendet,
73
Verzweifelt und geendet:
74
Doch lauter sprach sein Königsherz:
75
›du bist des Landes Schild von Erz,
76
Und sinkt dein Hoffen niederwärts,
77
Ist Engelland geschändet.‹

78
Schwer stand er auf, schwer war sein Schritt:
79
Da, unter tausend Toten,
80
Sein Kronhelm lag zerschroten:
81
Er ließ ihn, wie's sein Herz zerschnitt,
82
Es ist das Volk die Krone nit: –
83
Doch seinen Schild, den nahm er mit,
84
Die Ehre hat's geboten.«

85
»so lebt er noch? – ich bitte dich« –
86
– So scholl's aus jedem Munde –
87
»woher ward dir die Kunde?
88
Ist das sein Schild? Wer bist du? Sprich!« –
89
Da warf der Harfner hinter sich
90
Die Hüllen und voll-königlich
91
Durchflog sein Blick die Runde.

92
»ja, das ist eures Königs Schild,
93
Und ich« – da hob von allen
94
Ein Rufen sich und Schallen –:
95
»und du, du teures Heldenbild,
96
Bist König Alfred stark und mild,
97
Auf! führ' uns an ins Schlachtgefild: –
98
Die Dänen sollen fallen!«

99
Da sprach der Fürst: »Die Treu' ist echt,
100
Die nimmer will verzagen.
101
Des will ich Dank euch sagen:
102
Du Volk von Kent: das sei dein Recht,
103
Daß von Geschlechte zu Geschlecht
104
Du sollst in jeglichem Gefecht
105
Das Banner Englands tragen.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Felix Dahn
(18341912)

* 09.02.1834 in Hamburg, † 03.01.1912 in Breslau

männlich, geb. Dahn

deutscher Jurist, Schriftsteller, Historiker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.