Kaiser Rudolf von Habsburg und der Graf von Falkenstein

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Felix Dahn: Kaiser Rudolf von Habsburg und der Graf von Falkenstein (1873)

1
Vorm Falkenstein, vor'm Falkenstein des Reiches Herold rief:
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»herr Ruppert, laßt das Rauben sein! Lest Kaiser Rudolfs Brief:
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Wer Friede bricht im Land und Recht mit Schwertgewalt und Zwang,
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Der hängt, sei's Ritter oder Knecht, als Räuber an dem Strang.«
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Da warf vom hohen Falkenstein der Graf ein hänfen Seil:
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»dem kleinen Schweizergräfelein, dem Krämerkaiser Heil!
7
Er hänge mich mit meinem Strang in meinem eignen Tor:
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Doch bring' den Galgen, stark und lang, er hier heraus zuvor.«
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Der Herold nahm das Seil und ging. Der Graf schickt Boten aus:
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»vogt Geierstein, Graf Drachenring, ich lad' euch in mein Haus.
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Die Etschbrück' hält mein Bruder gut, sonst führt kein Paß herein:
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So lang noch Wasser ersäufen tut, ist sicher der Falkenstein.«
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Und es zog mit zwanzigtausend Mann der Kaiser landaus, landein:
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Zwölf Richter zogen ihm voran, zwölf Henker hinterdrein.
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Er zog mit Macht durch alles Land: er kam wie Sonnenschein,
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Und wo er eine Raubburg fand, – gebrochen mußte sie sein;
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Und es segneten Witwen und Waisen ihn, was schwach und schirmlos war
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Und alle Geier mußten fliehn vor dem kaiserlichen Aar.
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Doch als er kam gen Falkenschloß, ein Wolkenbruch geschah:
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Die Etsch geschwellt wie wütend schoß, kein Steg war fern und nah.
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Da hob der Kaiser fromm und rein die Hände gen Himmel auf:
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»laß hemmen nicht dies Wässerlein, Herr, deines Rechtes Lauf.
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Ich selbst, der ich kann kein Wunder tun, mein Roß einst schenkt' ich dir: –
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Du hilf mir durch dies Wasser nun, wie in der Schweiz ich dir.«
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Sieh, da kam goldner Sonnenschein und vom Himmel kam Mittagsbrand:
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Die wilde Etsch war zahm und klein, eh' der Abend ging ins Land.
27
Am zweiten Tag durch ihr Bette ging der Kaiser trocken und heil,
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Am dritten Tag Graf Ruppert hing in seinem eignen Seil:
29
In seinem eignen Tor er hing: doch hing er nicht allein:
30
Es hing dabei Graf Drachenring und der Vogt von Geierstein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Felix Dahn
(18341912)

* 09.02.1834 in Hamburg, † 03.01.1912 in Breslau

männlich, geb. Dahn

deutscher Jurist, Schriftsteller, Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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