Zwölf Könige herrschten in Norgeland

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Felix Dahn: Zwölf Könige herrschten in Norgeland Titel entspricht 1. Vers(1873)

1
Zwölf Könige herrschten in Norgeland:
2
Das waren um elf zu viel:
3
Wie Harald die andern überwand,
4
Das singt man zu Harfenspiel. –

5
Zwolfkönig Harald von Hadaland,
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Zu jagen ritt er nach Mochter:
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Schön Gydha vor ihrem Hoftor stand,
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Des Odalbauern Tochter.

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Die schlanken Hüften ihr stolz umfing
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Goldgürtel, an Steinen reich:
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Noch goldener glänzte des Goldhaars Ring
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Auf der Stirn ihr kronengleich. –

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Vom Rotroß staunend da Harald sprang
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Und hielt die Hand vor die Augen:
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»wie blendest du! Zu der Helden Empfang
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In Walhall würdest du taugen.

17
Zu den Schildjungfrauen wohl zählst du, Kind?«
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»mein Vater, der Bauer, hieß Steinn:
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Doch
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Ich herrsch' im Hof hier – allein.«

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Da strich sich Harald langsam den Bart
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Und die Stirne furcht' er mit Sinnen:
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Doch Gydha spreitete, weiß und zart,
24
Auf den Birkentisch das Linnen.

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Und sie winkt den Mägden: die tragen heran
26
In gehenkelten Krügen den Meth:
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Doch der Wirtin nur achtet der gastende Mann,
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Die schweigend die Spule dreht.

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»wie heißt du?« »Gydha!« »Nun, Gydha, sprich,
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Aus dem Bauernstaube dich reiß' ich:
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Zu meiner Königin kür' ich dich,
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Harald von Hadaland heiß' ich.

33
Ich biete dir meine goldene Kron'
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Für den Gürtel um deinen Leib.«
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Aufstand und sprach da mit stolzem Hohn
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Und mit blitzenden Augen das Weib:

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»mein Gürtel, Zwölfkönig, ist ganz und voll:
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Er trägt zwölf strahlende Steine:
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Draus schenk' ich dir einen: das ist dein Zoll
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Für die Zwölfteilskrone, die deine.

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Du trägst es, Norge vergehen in Harm
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Zu schau'n, in Zerrissenheit –
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Nur
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Doch du – jagst und verjagest die Zeit.

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Mein Gürtel, Harald, ist ganz und Eins:
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Deine Kron' ist nicht würdig meiner:
47
Ein ganzes Reich und Herz, oder keins –
48
Ein Zwölftel König ist – keiner!«

49
Und sie wandte den Rücken und schritt ins Tor
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Und warf den Riegel ins Schloß:
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Und der Gast sprang jäh von der Bank empor
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Und im Sturm trug fort ihn das Roß.

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Drei Sommer kamen und dreimal schlug
54
Drei Könige Harald tot:
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Da hatten die letzten beiden genug
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Und nahmen als Jarle sein Brot.

57
»nun bin ich König von Hadaland,
58
Ranriki und Thrandheim, dem starken
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Von Raumariki und Westfoldstrand,
60
Heid-Wingul- und Thelamarken.

61
Und König bin ich von Gudbrandsreid,
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Von Upland, Midland und Dal: –
63
Vom ganzen Norge, schmal und breit,
64
Bin ich König nun zumal.«

65
Da ließ er sich schmieden goldene Kron',
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Die trug zwölf silberne Zacken,
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Aufs Rotroß sprang er mit stummem Drohn
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Und warf das Gelock in den Nacken.

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Und als er vor Mochters Hoftor stand, –
70
Schritt Gydha draus hervor,
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Trug ihren Gürtel in der Hand,
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War schöner als je zuvor.

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Statt herben Hohnes süße Scham
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Umgoß sie mit rosigem Scheine –
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Auf den Birkentisch – wie wundersam! –
76
Sie warf elf strahlende Steine:

77
»heil, König Harald – Vollkönig! – dir,
78
Heil, Norges Herr und Held:
79
Elf Steine löst' ich vom Gürtel mir,
80
Wie du König auf König gefällt.

81
Nicht verschmähe den letzten: – der rote Rubin
82
Soll Gydha selber bedeuten.«
83
Doch er zog sie ans Herz von gebeugten Knien –:
84
»knien ziemt nicht Königsbräuten.

85
Das wisse ganz Norge, das wisse die Welt:
86
Wenn den Hader ich niedergestreckt
87
Und den Frieden geschafft und die Völker gesellt –:
88
Mein Weib hat dazu mich geweckt.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Felix Dahn
(18341912)

* 09.02.1834 in Hamburg, † 03.01.1912 in Breslau

männlich, geb. Dahn

deutscher Jurist, Schriftsteller, Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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