»der ist allein ein König, wen bindet keine Pflicht

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Felix Dahn: »der ist allein ein König, wen bindet keine Pflicht Titel entspricht 1. Vers(1873)

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»der ist allein ein König, wen bindet keine Pflicht,
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Wer andrer Recht soll achten, der ist ein König nicht.«
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So sprach der König Olaf, frisch kam er von Byzanz,
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Hat dort als Gast bewundert des Imperators Glanz.
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»ich bin der trotz'gen Bauern von Svearike satt,
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Wie Leo will ich herrschen in seiner goldnen Stadt.«
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Er sandte seine Boten und Schatzung schrieb er aus:
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Von jedem Kopf ein Schilling und zwölf von jedem Haus.
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Und der Bote kam nach Dunsadal und bot das Volk zu Hauf
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Zur Hofburg nach Upsala, zu Ting und Schatzung auf.
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Da sprach ein Bauer – man kennt ihn nicht – sein Bart war weiß wie Schnee:
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»wer etwas will, der geht zu dem, von dem er's will, von je.
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Wir woll'n von König Olaf nichts: – und will er was von uns,
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So komm' er, wo wir tagen stets, an den Königsbronn von Duns.
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Da harr'n wir sein zur Sonnenwend', wann die Linden in Blüten stehn.«
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Der Bote ging und der König schwur: »Der Trotz soll euch vergehn.«
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Und als die Lind' in Blüten stand, entbot er Roß und Mann
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Und zog, dreitausend Reiter stark, nach Dunsadal hin dann.
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Und als er kam zum Königsbronn mit den Seinen von Mittag her,
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Zwölf alte Männer saßen dort, sonst war die Tingstatt leer.
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Ein dichter Eichwald lag im Nord: hehr lag er, stolz und still,
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Nur wenn der Wind in den Wipfeln ging, scholl's, wie wenn's wettern will.
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Und der König ritt an des Brunnens Rand: – der Brunnen war schwarz und tief: –
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Die Zwölfe saßen im Kreise still, der König aber rief:
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»ich bin gekommen, ihr habt's gewollt: doch mit dreitausend Mann:
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Wollt ihr jetzt tun, wie ich gebot, und gehorchen meinem Bann?« –
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Da sprach ein Bauer – man kennt ihn nicht – sein Haar war silberhell,
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Er trug ein großes Büffelhorn und sein Mantel war Bärenfell.
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»du hast gefragt:« – sprach der alte Mann – »als Antwort frag' ich dich:
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Woher heißt der Brunnen Königsbronn, weißt du das, König, sprich?«
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»was soll der Bronn? ich weiß es nicht!« – »So will ich dir's tun kund:
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Drei alte Sveakön'ge liegen in des Brunnens Grund.
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König Knut war hart wie Eisen, er war von deinem Geschlecht.
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Er wollte die Bauern zwingen und brechen das alte Recht.
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Und war er hart wie Eisen, – die Bauern waren wie Stein,
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Und sie nahmen den stolzen König und warfen ihn hier hinein.
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Und auf Knut kam König Hako und auf Hako König Svein: –
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Nun rede, König Olaf, willst du der vierte sein?«
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Blutrot ward da der König und er zückte den Speer im Zorn,
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Doch zur Seite trat der Alte und stieß in sein großes Horn.
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Da ward der Wald lebendig und jeder Strauch ein Mann.
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Rings Waffen, Waffen, Waffen: – wie die Meerflut schwoll's heran.
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Und der Alte zog aus dem Mantel eine Streitaxt, die war schwer:
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»viel sind dreitausend, König, aber dreizehntausend sind mehr!
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Du wolltest die Bauern zwingen, wohlan, die Bauern sind da,
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Versuch's, versuch's, Herr Olaf: – der Königsbronn ist nah!«
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König Olaf warf den Rappen herum, im Sturm jagt' er davon,
48
Und es kam kein Sveakönig je wieder zum Dunsabronn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Felix Dahn
(18341912)

* 09.02.1834 in Hamburg, † 03.01.1912 in Breslau

männlich, geb. Dahn

deutscher Jurist, Schriftsteller, Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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