Jung Sigurd war ein Wikinger stolz

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Felix Dahn: Jung Sigurd war ein Wikinger stolz Titel entspricht 1. Vers(1873)

1
Jung Sigurd war ein Wikinger stolz,
2
Der fuhr in den Sturm mit Lachen,
3
Und schwang er die Lanze von Eschenholz,
4
Da mußten die Schilde zerkrachen:
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Die Traube von Chios, das Gold von Byzanz,
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Begehrte sein Herz und sein Hammer gewann's.

7
Doch priesen die Freunde den blühenden Leib
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Der Römerin, die sie gefangen,
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Und lobt ihm ein andrer sein ehelich Weib,
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Das daheim sein harre mit Bangen,
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Und sprach ihm von Lieb' und von Liebesglut, –
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Laut lachte jung Sigurd wie brandende Flut.

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– »Mein schwellendes Segel hat weißere Brust
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Als euere Buhlen, ihr Schelme,
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Mir ist kein Weiberauge bewußt
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So licht wie der Stein hier am Helme,
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Und lüstet nach lieblicher Süße mein Mund,
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So schlürf' ich den feurigen Wein von Burgund.

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Ja, stieg', umflossen von Asgardhs Licht,
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Mir Freya selber hernieder, –
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Fürwahr, ich höbe die Wimper nicht,
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Zu schau'n die unsterblichen Glieder:
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Wenn je mir ein Sehnen die Schönheit weckt,
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So werde mit Nacht dies Auge bedeckt.« –

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Und sie landen am öden Felsengestad
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Im Strahl mittäglicher Sonnen: –
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Jung Sigurd schweift auf verlassenem Pfad,
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Da lockt ihn der rieselnde Bronnen
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Und als er schreitet zum Quellenrand,
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Da steht ein Mädchen im Bettlergewand;

31
Wohl birgt sie der Schleier, wohl deckt sie der Rock,
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Doch es schimmern so schneeig die Füße,
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Und es glänzt durch die Hülle wie golden Gelock
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Und die Stimme, wie klingt sie so süße!
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Und als sie zum Trunke den Krug ihm bot, –
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Da wurden die Wangen ihm bleich und rot:

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Und es wallte sein Blut und sein Herz schlug laut
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Und er rief: »O lege geschwinde,
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Auf daß mein verlangend Auge dich schaut,
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Vom Haupte die hüllende Binde:
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Aus Mantel und Schleier wie strahlt es licht,
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Wie hold muß strahlen dein Angesicht!«

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Und er greift nach den Falten und bittet und fleht: –
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Da ruft sie: »Dir werde dein Wille!«
45
Und der Mantel fällt und der Schleier verweht: –
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Da wurde jung Sigurd stille,
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Denn hehr, von unsterblichem Glanz umwallt,
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Erkannt' er der Liebesgöttin Gestalt.

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Licht floß von den Schläfen das goldene Haar,
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Alabastern glänzten die Wangen,
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Aus den Augen, den siegenden, schimmert' es klar,
52
Als käme die Sonne gegangen:
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Und den Nacken umschloß das goldne Geschmeid,
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Das der Anmut bannenden Zauber leiht.

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Jung Sigurd schwieg: ihm versagte der Laut,
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Da sprach sie mit zürnendem Munde:
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»des Himmels Königin hast du geschaut,
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Und die Sehnsucht kennst du zur Stunde:
59
So werde vollendet dein trotzig Wort, –
60
Und Nacht bedecke dein Aug' hinfort.«

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Und es ließ der Blinde von Schwert und Schild
62
Und begann, die Harfe zu schlagen:
63
Doch es schuf ihm das Eine, das göttliche Bild
64
Sein Dunkel zu leuchtenden Tagen:
65
Kein Sänger vermocht' ihn im Kampf zu bestehn,
66
Denn er hatte die Göttin der Schönheit gesehn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Felix Dahn
(18341912)

* 09.02.1834 in Hamburg, † 03.01.1912 in Breslau

männlich, geb. Dahn

deutscher Jurist, Schriftsteller, Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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