Der Hügel birgt den König Stein

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Felix Dahn: Der Hügel birgt den König Stein Titel entspricht 1. Vers(1873)

1
Der Hügel birgt den König Stein:
2
Vier Söhne sind die Erben;
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In der Halle sitzen sie nun allein:
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Um das Erbe die Erben werben.
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Der blonde Halfdan streicht den Bart
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Und spiegelt sich im Schilde;
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Der schwarze Helgi, von düstrer Art,
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Sinnt stolze Taten und wilde;
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Der rote Hako erwägt, wie den Wert
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Von des Reiches Hort zu verwenden;
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Der Jüngste hält des Vaters Schwert
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In tränenbeträuften Händen. –

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Auf sprang von selbst da die eichene Tür:
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Nicht wagten die Rüden Gebelle,
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Und vor den Brüdern stand Wegafür,
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Des Vaters vertrauter Geselle.
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Der Alte im Mantel und Wandrerhut,
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Er sprach: »Nun höret, ihr Fürsten:
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Nicht soll eurer kühnsten Wünsche Mut
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Umsonst nach Erfüllung dürsten.
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Ihr wißt es: mancher Zauber ist mein,
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Ich war des Königs Berater:
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Euch sollen vier Wünsche verstattet sein,
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Das versprach ich dem sterbenden Vater.
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Und der weiseste Wunsch, der wird gewährt. –
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Nun wünscht nach des Herzens Triebe.«

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Und Halfdan rief: »Auf weiter Erd'
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Ist das Süßeste Weibesliebe!
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Weichwangiger Weiber wonnige Gunst,
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Die sollst du mir, Alter, gewähren!«

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»die Lieb' ist Wahn und Weh und Brunst,«
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Sprach Helgi, »mich dürstet nach Ehren!
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Gib mir vor allen Königen Ruhm.«

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Doch Hako höhnte, der rote:
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»ruhm ist gar windiges Eigentum!
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Mir spende, du Wunschesbote,
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Des roten Goldes unendlichen Hort!« –

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Da sprach der Alte mit Sinnen:
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»nun, Harald, Braunkopf, du findest kein Wort?
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Wie? – Tränen seh' ich dir rinnen?«

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»ich wünsche nur meines Vaters Schwert,
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Das hier in Händen ich halte.«

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»du wirst es führen des Vaters wert!
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Und nichts weiter?« forschte der Alte.

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»nichts! Ich hoffe nur, daß zuweilen
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In meiner Halle dich zeigest,
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Im Schweigen der Nacht, in des Abends Ruh'
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Das Antlitz zu mir neigest.
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Denn Unausdenkliches liegt gehäuft
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Auf deiner Stirne, der hohen,
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Und vom Mund dir erschütternde Weisheit träuft
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Bei des grauen Auges Lohen.
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Dir will ich mich weihn mit des Vaters Schwert!
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Nichts andres heisch' ich auf Erden!«

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»heil dir, jung Harald! Dir ist gewährt,
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Und das Herrlichste soll dir werden!
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Ein erprobtes Schwert in treuer Hand, –
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Nach dem Höchsten ein ahnendes Sehnen, –
59
Ein Geist, zu Adlerfluge gespannt,
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Und im Auge kindliche Tränen: – –
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Du sollst gewinnen des Weibes Kuß
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Und des Ruhmes Harfenschallen
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Und des gleißenden Goldes Überfluß
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Und mich, jung Harald, vor allen.
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Ich, Odhin von Asgardh, küsse dich jetzt,
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Zum Wunschsohn dich mir zu küren,
67
Und nach tausend Siegen sollen zuletzt
68
Die Walküren zu mir dich führen! – –«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Felix Dahn
(18341912)

* 09.02.1834 in Hamburg, † 03.01.1912 in Breslau

männlich, geb. Dahn

deutscher Jurist, Schriftsteller, Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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