Ottar und Hilde

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Felix Dahn: Ottar und Hilde (1873)

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Odhins Sohn war Ottar der Edle.
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Weidlich wuchs er
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Heran, der herrliche Held.
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Als er erwachsen,
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Als dem Flinken der Flaum
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Bräunlichen Bartes
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Locker und lieblich
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Die Lippen umlockte,
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Als den spitzigen
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Spangenspaltenden Speer
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Wuchtig er warf,
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Erschien ihm Odhin,
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Hielt an der Hand
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Hilde, die Holde,
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Die der Wahl waltende
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Walküre.
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Aus hohem Helm
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Floß der Freudigen
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Lang das lichte Gelock,
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Das goldig-gelbe;
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Sieghaft und selig
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Strahlte ihr,
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Ganz goldig,
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Gleich dem herrlichen Haare,
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Das edle Auge.
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Odhin aber
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Legte dem Liebling
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Der Holden Hand in die Hand:
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»die Schimmernde schützt dich
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In Schrecken der Schlacht.
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Nicht geschwungenes Schwert,
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Nicht hauender Hammer
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Fällt dich Fröhlichen,
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So lange leuchtend
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Die jauchzende Jungfrau
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Schirmend den Schild
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Ob dem Haupte dir hält,
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Schwanenschwingig
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Dich umschwebend.
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Hüte dich, Held,
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Daß jemals die Jungfrau
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Dir Fechtendem fehle.«
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Manchen Mond
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Wechselnder Winter
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Von Sieg zu Siege
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Eilte Ottar der Edle
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Unverwundet:
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Speere sprangen
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Und geschwungene Schwerte
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Ihm ab von dem offenen Antlitz:
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Denn sacht, auf silbernen Sohlen,
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Schwanenschwingig schwebte
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Hoch zu Häupten ihm Hilde. –

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Aber als wieder im Wechsel
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Ein Jahr sich gejährt,
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Mußte der Mutige
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Mit arger Überzahl
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Fechten der Feinde,
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Einsam, allein, unbeschützt,
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Denn er darbte
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Der holden Hüterin:
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Nicht mehr jauchzte die Jungfrau:
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In Wehen wand sich das Weib.
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Lodernder Liebe
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Lechzend Verlangen
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Hatte heimlich
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Die herrlichen Herzen
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Brennend verbunden.
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Auf dem Lager lag
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Stöhnend, sterbend die Stolze.
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Ach, die Unsterblichkeit
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War ihr gewichen
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In der Umarmung
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Des Menschenmannes;
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Und während dem Weibe
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Die Not schon nahte
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Des traurigen Todes,
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Brach durch die Brünne der Brust
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Dem mutigen Manne
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Die Spitze des Speers.
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Er lag in seiner hohen Halle
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Und neben ihm Hilde am Herd.
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Odhin aber
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Senkte sinnend
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Über den bleichen beiden
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Das ernste Antlitz:
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»wehe! Ihr wolltet es so!
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Als Walküre wählt' ich sie dir,
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Aber zum Weibe wähltest sie du:
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Und du, herrliche Hilde,
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Statt der Unsterblichkeit: – Staub!«

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Aber noch einmal
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Öffneten beide die Augen,
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Und in Wechselworten
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Erwiderten sie Wunschvater:

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»und hätte ich wieder
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Zu wählen die Wahl, –
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Wieder wählte ich, o Wahlvater,
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Mir die Wonn'ge zum Weib.«
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»ich mir den Mann zum Gemahl.
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Denn weit sel'ger als dein Walhall
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Weiß ich, was ich mir gewann
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An lodernder Liebe
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Göttlichem Glück!«

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»floh es auch flüchtig –«

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»einmal war es doch unser –«

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»und das ist ewig.«

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Und da starben sie,
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Stark und stolz.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Felix Dahn
(18341912)

* 09.02.1834 in Hamburg, † 03.01.1912 in Breslau

männlich, geb. Dahn

deutscher Jurist, Schriftsteller, Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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