Allvater

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Felix Dahn: Allvater (1873)

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Es seufzt meine Seele in unsäglichem Jammer
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Um des Schmerzengeschlechts, um der Menschen Geschick.
3
Denn was in der Welt von wechselndem Wehe
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Brandend sich bricht in jeglicher Brust: –
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Mitempfinden, mitdurchkämpfen,
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Mitdurchklagen muß ich es alles –
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Alles, alles: – denn geheißen
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Bin ich Allvater:
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Bald des besiegten bessern Mannes,
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Den ein Böser bezwungen,
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Bitter beißenden Seelenbrand,
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Wie er grollend in Todesgram
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Flucht dem grausamen Schicksal: –
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Bald des Liebenden tödlich Leid,
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Der in leere Luft mit den Armen langt,
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Dem langsam das Leben verlodert
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An nie verlöschender Sehnsucht Licht: –
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Und der Witwe Wehklage,
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Der Waisen Weinen
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Und der versinkenden Seele
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Letzten schrillen Verzweiflungsschrei: –
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All' dies Elend, öd' und endlos,
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Es empfindet's mit Allvater.
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Und wie wenig wollen dawider
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Ach die winzigen
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Wonnen wiegen,
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Die wie verwehte Rosenblätter
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Wogen auf weiten, weiten Wellen,
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Auf des Weh's unendlichem Ozean. –
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Traun,
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Ein Ziel ist gezeichnet den zahllosen Zähren,
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Eine Endezeit.
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Ich segne den Tag, da der sengende Surtur
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Erbarmend der letzten Menschen Gebilde
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Zugleich mit der müden Erde zermalmt,
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Da endlich der Quell unerschöpflicher Qualen
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Versiegt: das letzte menschliche Herz.
38
Willkommen dem Tag! – Und wären sie weise,
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Noch wärmer wünschten sie selbst ihn herbei.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Felix Dahn
(18341912)

* 09.02.1834 in Hamburg, † 03.01.1912 in Breslau

männlich, geb. Dahn

deutscher Jurist, Schriftsteller, Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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