Hoch rauscht das Fest im Hippodrom

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Felix Dahn: Hoch rauscht das Fest im Hippodrom Titel entspricht 1. Vers(1873)

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Hoch rauscht das Fest im Hippodrom
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Zu Trier an dem Moselstrom:
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Vorüber jagten längst die Renner,
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Und Weiber, lustberauscht, und Männer
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Begehen in dem Marmorsaal,
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Im säulenstolzen Portikus,
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Versenkt, versunken im Genuß,
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Ein zügelloses Bacchanal.

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Nun springt von des Tribunen Schoß
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Ein üppig Weib, die Brüste bloß,
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Und jauchzt und lacht, von Wein beladen:
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»kennt ihr den Rauschtanz der Mänaden,
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Wie ich ihn einst in Phrygia
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Beim Fest der großen Göttin sah?
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Schaut her, ich tanze vor!« Sie springt,
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Daß hoch das Purpurhemde schwingt
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Und singt:
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»hört, was die Göttin mich selber gelehrt,
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Kybele, welche die Wonne gewährt.
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Schlürfet des Augenblicks raschen Genuß,
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Schlürfet den Becher und schlürfet den Kuß.
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Ach, wie so bald schon sind wir gestorben!
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Kühn um die Wonne des Rausches geworben
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Bei Flötengetön und Theorben!«

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Und die Tausende stimmen mit ein,
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Schwingen die Becher und schlingen den Reihn:
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»um Lust, um Rausch geworben
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Bei Flöten und Theorben!«

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Da warnt ein Mönch, ein hagrer Greis,
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Sein Blick so tief, sein Bart so weiß:
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»verblendet Volk! Laß ab! Halt ein!
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In Christus ist das Heil allein.
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Alsbald, zur Strafe deiner Sünden, –
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Das läßt der Geist mich dir verkünden: –
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Wird Gottes Zorn die Stadt entzünden.
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Tut Buße!« ... Da, beim Schall der Lieder,
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Tanzt schon ein wirbelnd Paar ihn nieder
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Und jauchzend, jubelnd schallt es wieder:
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»um Lust und Rausch geworben
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Bei Flöten und Theorben!«

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Jetzt wirft der Richter strenge
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Den Stab in das Gedränge:
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»drei Tage währt nun dies Gepränge
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Des Lasters und der Lüste schon,
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Verwaist steht längst der Themis Thron:
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Ich ruf' euch auf im Geist der Alten
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Kommt, helfet mir, Gericht zu halten:
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Des Rechts der Römer laßt uns walten!«
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Doch schon hat ihn hinweggeschoben
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Der Faunenmasken wildes Toben:

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»das Recht der Römer ist uns bewußt!
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Das Recht der Römer ist die Lust!
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Wohlauf, um Lust geworben
54
Bei Flöten und Theorben.«

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Da eilet von der Vorstadt her
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Der Feldherr mit zerbroch'nem Speer:
57
»zu Hilfe! Sonst seid ihr verloren!
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Bald steht der Feind vor diesen Toren!
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Die besten der Kohorten sanken
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Vor der Wurfaxt der Uferfranken;
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Barbaren nahn auf Straß' und Strom,
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Rettet die Ehre und rettet Rom.
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Wie? Was seh' ich? Meine Legaten,
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– Hart mußt' ich ihrer im Kampfe entraten! –
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Und die Tribune, die Centurionen
66
Der führerverwaisten Legionen
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Hier, rosenbekränzt, zu der Weiber Füßen?«

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»ja, nichts scheidet uns von den Süßen!
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Rom und die Ehre sind steinern, kalt,
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Sind streng und alt;
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Schau hier der Numiderin Wonnegestalt!
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Sie ist nicht streng, nicht kalt, nicht Stein.
73
Gebt Wein! Bald wird's der letzte sein.«

74
»und die Pflicht? Und Romas Genius?«
75
»die Pflicht fahr' in den Tartarus!
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Wie bald sind wir gestorben!
77
Wohlauf, um Lust geworben
78
Bei Flöten und Theorben!«

79
Und rasend wiederholt's der Chor;
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Da, halt – nun stockt der wilde Reihn:
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Vom Norden her welch' wüstes Schrei'n,
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Vom schwarzen Tor:
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»die Germanen, die Franken sind herein!
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Der Wall ist erklommen!
85
Die
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Da sind sie schon! Nah tönt ihr Horn!
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Nun trifft uns ihr Beil und des Himmels Zorn!«

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Schon naht mit stürmender Gewalt,
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Vom Goldgelock das Haupt umwallt,
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Den Adlerhelm auf hohem Haupt,
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Vom grünen Eichenkranz umlaubt,
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Der junge König Sigiswalt.
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So sind sie in Trier gestorben,
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Gestorben und verdorben,
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Bei Flöten und Theorben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Felix Dahn
(18341912)

* 09.02.1834 in Hamburg, † 03.01.1912 in Breslau

männlich, geb. Dahn

deutscher Jurist, Schriftsteller, Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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