Der Wagenlenker

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Felix Dahn: Der Wagenlenker (1873)

1
Rädergeprassel und Rossegestampf,
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Hengstegewieher und stäubender Dampf,
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Wolken von Sand und Peitschengeknall,
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Trümmernder Räder erkrachender Prall,
5
Tobender Römer verworren Geschrei:
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»hei, der Grüne verliert, rasch, Blauer, vorbei!«
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Also erdröhnt es im Hippodrom:
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Denn neue Triumphe feiert Rom.

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Und vor allen Quadrigen sauset verwegen
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Die eine dem Ziele, dem fernen, entgegen:
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Ein Jüngling lenkt sie in keltischem Rock,
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Kaum birgt ihm das Helmdach das gelbe Gelock.
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In rasendem Rennen, verachtend den Tod,
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Den gewissen, welcher dem Stürzenden droht,
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Hetzt er die Tiere mit gellendem Schrei
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Wütend an allen Gespannen vorbei.
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Auf den Flügeln des Sturmwinds scheint er zu jagen,
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Und von tausend jauchzenden Stimmen getragen,
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Erreicht der Sieger des Cäsars Thron
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Und schaut zu ihm auf mit stolzem Droh'n.

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Der aber beginnt mit heiserem Ton:
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»fürwahr, ich lobe die Fahrt, mein Sohn! –
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Doch sage, was sprachst du, was riefst du dabei?
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Mir klang es im Ohr wie Schlachtgeschrei!
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Und du standest im Wagen so trotzig kühn: –
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Blaufeuer sah ich vom Aug' dir sprühn!
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Was hast du gedacht bei der rasenden Fahrt?
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Sprich frei, dein Leben sei dir gewahrt.«
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Da warf in den Nacken der Jüngling das Haupt:
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»in der Heimat hab' ich mich wieder geglaubt!
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Auf Kaledoniens waldigen Heiden,
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Wo mir hundert Hengste, herrliche, weiden:
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Un der Deva Mündung scholl wieder der Kampf:
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Hei, Speergekrach und Rossegestampf!
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Ich lenkte des Vaters Sichelwagen.

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O, mein König, mein Vater, welch' freudig Jagen!
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Die Adler fall'n! Das Legionenheer,
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Wir hetzen es jubelnd ins heilige Meer!
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Dort flieht er! Er will erreichen das Schiff!
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Nach! Nach! Wir sind vor ihm auf dem Riff!
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Greift aus, ihr Rappen! Wir müssen ihn fah'n,
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Den feigen Tyrannen Domitian!
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Ha, zu Ende der Traum und das Glück und der Wahn!
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Mein Leben? – Von dir nicht will ich's geschenkt,
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Doch ihr, Brüder daheim: – der Rache gedenkt!«
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Und den Dolch in die Brust vor des Cäsars Thron
47
Sich stieß der gefangene Königssohn. –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Felix Dahn
(18341912)

* 09.02.1834 in Hamburg, † 03.01.1912 in Breslau

männlich, geb. Dahn

deutscher Jurist, Schriftsteller, Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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