Tacitus

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Felix Dahn: Tacitus (1873)

1
Der Jungfrau ähnlich, die in Trojas Jubel
2
Den Weheruf geahnten Unheils warf,
3
Ungläub'gen Spott allein als Antwort findend,
4
Kassandra gleich steh' ich in dieser Zeit!
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Verderben seh' ich rings, wohin ich schaue,
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Mit leisen Geistertritten eilend nahn,
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Indes das Volk im Zirkus brausend lärmt
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Und seine wilden Bacchanale hält.
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Der Tempel darbt des Opfers und das Herz
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Der Andacht; ungeglaubte Götter lehrt
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Der Priester: fremden Sagen lauscht das Volk,
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Die nicht verknüpft sind mit der Väter Taten.
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Die Weisen spotten über Jupiter
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Und finden keinen andern Gott statt seiner.
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Die Kaiser aber kränzen sich mit Rosen,
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Denn selten ward der Lorbeer in dem Land;
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Und will ein Fürst, der noch ein Römer ist,
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Dem Unheil steuern, ist's, wie wenn ein Mann
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Mit Schwert und Schild den Strom des Weltmeers hemmt.
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Die Jugend schwelgt mit griechischen Hetären,
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Indessen Sklaven die Legionen füllen,
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Die nur mit Scham zur Schlacht der Adler führt,
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Und Laster, ungeheure Laster thronen
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Auf allen sieben Hügeln dieser Stadt.
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Auf steilem Fels steht dieser Riesenbau:
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Er wankt und täglich mehr neigt er zu Fall.
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Sie kömmt nicht mehr, die Zeit der Scipionen!
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Umsonst singt von Triumph der Dichter Mund:
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Es sind die letzten Flügelschläge nur
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Des Adlers, dem der Pfeil im Herzen steckt.
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Im Osten fliegt des Parthers leicht Geschoß
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Schon ungestraft in römische Provinzen,
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Und furchtbar pocht die Streitaxt des Germanen
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An dieses Reiches morschgewordne Tür.
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Uns hält der Feinde Zwist, nicht eigne Macht;
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Weh uns, wenn diese waldgeborne Kraft,
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Wenn diese freien Ströme sich vereinen
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Und mächtig von den Alpen niedergehn.
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Was haben wir als Damm, sie abzuwehren?
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Den Ruhm der Väter und der Enkel Wahn!
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Mir aber sei's vergönnt, vorher zu sterben!
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Mich ekelt dieser faulgewordnen Zeit,
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Und oft beschleicht mich qualvoll der Gedanke:
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Die Götter achten dieser Erde nur,
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Um uns zu strafen, nicht um uns zu helfen.
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Nicht unter diesen Menschen will ich leben:
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Aufrollen will ich mir der Zeiten Buch,
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Und Großes schau'n, das andre Tage schufen
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Doch dieser Zeit will ich empfindungslos,
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Ein Demantspiegel, gegenüber stehn
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Und zeigen ihr das ungeheure Bild
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Der eignen Torheit und der eignen Schuld.
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O würd' es ihnen zum Gorgonenhaupt,
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Das sie entsetzte und versteinerte:
55
So blieben sie, ein großes Schreckbild, stehn
56
Und eine Warnung künftigen Geschlechtern.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Felix Dahn
(18341912)

* 09.02.1834 in Hamburg, † 03.01.1912 in Breslau

männlich, geb. Dahn

deutscher Jurist, Schriftsteller, Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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