Der letzte der Kimbern

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Felix Dahn: Der letzte der Kimbern (1873)

1
Wie heiß hat die Julisonne gebrannt
2
Auf der raudischen Felder stäubenden Sand!
3
Da sind sie erlegen, die Nordlandhünen:
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Nicht frommte die riesige Kraft den Kühnen:
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Zu heiß die Hitze, zu dunstig der Dunst,
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Zu lauernd des Marius Feldherrnkunst!

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Von allen Seiten umgarnt der Keil: –
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Da verfehlt des gedrängten Gewühls kein Pfeil:
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Von Kohorten umfaßt wie von ehernen Zangen,
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Wie so grimmig die sieglosen Recken rangen!

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Erst fielen die Vordersten, wie sie gestanden,
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Die mit Ketten die Gürtel zusammen banden:
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Und über sie hin die numidischen Rosse!
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In die nackten Leiber der Braus der Geschosse!
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Da ist vor der Glut der Mittagssonnen
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In Schweiß und in Blut ihre Kraft zerronnen,
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Und Tausende mehr sind erstickt und verschmachtet,
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Als das breite Schwert der Legionen geschlachtet.

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Nun ragt aus dem rings umbrandenden Sturm
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Noch Einer: ein letzter einsamer Turm.
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Zurück an die Burg der Wagen gedrängt,
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Von Geschossen und Rossen und Speeren umengt,
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Das helmlose Haupt von den roten Locken
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Umwogt wie von lohenden Feuerflocken:
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Held Boiorich ist's, der Kimbernkönig,
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Der zum Zweikampf Marius gefordert hat.
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Doch eisig erwiderte der und höhnig:
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»ei, wenn der Barbar des Lebens satt,
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So komm' er morgen aufs raudische Feld:
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Dort wird er vor Abend den Schatten gesellt.«

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Noch trotzt er, wie der umstellte Bär:
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Rings um ihn die römische Meute her.
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Und Marius ruft aus der Ferne vom Roß:
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»hier, Legionare! Hieher! Auf diesen!
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Doch verletzt ihn nicht mit Speer und Geschoß:
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Lebendig, gebunden, bringt mir den Riesen,
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Der schmückt wie kein andrer mir den Triumph!«

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Doch mit des zerbrochenen Langschwerts Stumpf
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Der Gewaltige wütet in solchen Streichen, –
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Ihn vermag kein Römergriff zu erreichen,
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Und sie schauen mit Grausen der Ihrigen Leichen
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Hochum gehäuft. Wie, entblößt des Schildes,
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Die breite Brust nach dem Tode begehrt! –
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Da zuckt von unten ein tückisches Schwert:
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»willkommen, ihr Wonnen des Walhallgefildes!«
46
Er ruft's und stirbt im Stehen: der Wall
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Der erschlagenen Römer verwehrt ihm den Fall.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Felix Dahn
(18341912)

* 09.02.1834 in Hamburg, † 03.01.1912 in Breslau

männlich, geb. Dahn

deutscher Jurist, Schriftsteller, Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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