Herakles

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Felix Dahn: Herakles (1873)

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Nicht stets erfreut der Sitz bei den Himmlischen,
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Auf Purpurpolstern, unter dem Marmordach:
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Auch Goldgetäfels wird man müde:
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Manchmal verlangt mich nach Wald und Freiheit.

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Hier, wo der Fels sich schattend herüberwölbt,
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Wo durch den Eichgrund sprudelnd die Quelle rinnt,
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Hieher den Mischkrug, den bekränzten,
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Hebe, mein Weib und doch ewig Mädchen!

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Ja, lehne nur, du selige Anmut du,
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Das kleine Köpfchen mir an das breite Knie
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Und laß in deinem Haar mich spielen,
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Während das Herz ich dir ganz erschließe.

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Du weißt es nicht, du göttlich geborene,
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Was doch in tiefster Seele der schönste Stolz,
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Mit dem ich oft in leisem Lächeln
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All' die Olympier überschaue.

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Sieh, ihnen ward verdienstlos die Göttlichkeit,
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Die ich aus eigner Kraft mir im Schweiß errang,
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Bis Hera selbst und all' ihr Hassen
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Endlich beschämt sich versöhnen mußte.

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O, als sie selbst, die herrliche Feindin, mir
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Am Götterhochsitz thronend, die Rechte bot, –
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Ein Stolz durchdrang mir da die Seele,
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Welchen ihr Ares doch niemals kannte!

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Drum segn' ich sie um jenen gewalt'gen Groll,
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Der mich verfolgend trieb bis zur Unterwelt:
27
Ihr Haß erhob den Sohn Alkmenens
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Hoch zum Olymp und zu Hebes Gatten. – –

29
Nur Einem beugen Haupt und Gedanken sich
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In heißer Liebe stiller Bewunderung:
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Dir, großer Vater Zeus Kronion,
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Herrlichster du in steter Hoheit!

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Einst kömmt der Tag, da alle Gewalten sich,
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Giganten, Götter, Menschen zumal, empört
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Erheben gegen deine Herrschaft,
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Weil sie so viel nicht der Größe tragen.

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Dann birst des Hades Tor und Poseidon brüllt,
38
Es tost der Kosmos: aber du lächelst nur;
39
Dir bleibt dein Blitz, dir bleibt dein Adler, –
40
Herakles bleibt dir und seine Treue. –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Felix Dahn
(18341912)

* 09.02.1834 in Hamburg, † 03.01.1912 in Breslau

männlich, geb. Dahn

deutscher Jurist, Schriftsteller, Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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