Jairi Töchterlein

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Felix Dahn: Jairi Töchterlein (1873)

1
Jede Spur war mir vergangen von des Daseins lichten Höh'n,
2
Und in Todesnacht gefangen lag mein Leben jung und schön.

3
O wie sah die Seele sehnlich noch dem holden Dasein nach,
4
Als, verglimmter Fackel ähnlich, schmerzlich schwer mein Auge brach!

5
Diese Welt voll Glanz und Schimmer sollte mir verloren sein,
6
Und dies Auge sollte nimmer Blumen schau'n und Sonnenschein!

7
Wann der frohe Frühlingsreigen die Gespielinnen vereint,
8
Sollt' ich ruh'n in kaltem Schweigen, wohin ach! kein Frühling scheint!

9
Lange lag ich selbstverloren: – Nacht ringsum –, nur dann und wann,
10
Näher stets, zu meinen Ohren drang's wie dunkle Flut heran

11
Und ich fühlt' es: wenn die Wogen mich erreichten ganz und gar,
12
Dann würd' ich hinabgezogen in Vernichtung immerdar.

13
Da durch all' das dumpfe Rauschen scholl's wie Silberglockenklang,
14
Daß mein Herz zu süßem Lauschen rasch vom Todesschlummer sprang.

15
Neues Leben fühlt' ich glimmen in des Blutes heißem Lauf,
16
Und die lieblichste der Stimmen rief mir leise: »Kind, steh, auf!«

17
Da, mit unsichtbaren Händen, hob mich's aus dem Sarg empor:
18
Licht fühlt' ich mein Auge blenden, wie ich's nie gekannt zuvor.

19
Und ein Jüngling, mild zu schauen, stand vor mir ernst, still und rein,
20
Und von seinen lichten Brauen stoß ein Glanz wie Sternenschein.

21
Jesus war's, der »Galiläer« von des Volkes Spott genannt:
22
Doch ich weiß, dem Himmel näher war ich, als er vor mir stand!

23
Was der Pharisäer sage, was da zischen Neid und Hohn,
24
Ich – an jedem Herzensschlage fühl' ich's: Er ist Gottes Sohn!

25
Tod, nun ist dein Schmerz genommen, gern will ich nun sterben gehn,
26
Weiß ich doch, der Tag wird kommen, da ich ihn soll wiedersehn!

27
Ja, das Grab ist nur die Pforte, die mich führt zu ihm hinauf:
28
Ich vertraue seinem Worte, und er weckt mich wieder auf.

29
Nicht wie all' die tausend andern, die sein Wort vom Tod entband, –
30
Trauter werd' ich mit ihm wandern: denn ich bin ihm wohlbekannt.

31
Wieder wird durch Nacht und Schweigen dringen dann sein holder Ruf,
32
Wieder wird die Macht er zeigen, die mich neu zum Leben schuf.

33
Lächelnd wird er wieder stehen an des offnen Grabes Rand
34
Und zu ew'gem Wiedersehen reicht er mir die milde Hand.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Felix Dahn
(18341912)

* 09.02.1834 in Hamburg, † 03.01.1912 in Breslau

männlich, geb. Dahn

deutscher Jurist, Schriftsteller, Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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