Skythenweisheit

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Felix Dahn: Skythenweisheit (1873)

1
Der Perserkönig hielt zu Susa Hof:
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Aus allen Landen kamen die Satrapen
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Und beugten in den Staub die stolzen Häupter;
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Sie brachten alles Köstlichste zur Schatzung:
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Des Meeres Perle und der Zeder Harz,
6
Der Edelstein des Bergs, des Stromes Gold
7
Ward reich zu Xerxes' Füßen hingestreut
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Und fünfzig Kön'ge dienten ihm beim Mahl. –

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Da war ein Mann aus Skythenland gekommen,
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– Kein König: ohne König sind die Skythen –
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– Nichts schatzend: denn die Skythen schatzen niemand –
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Geraubte Rosse heischend, welche Knechte
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Des Königs aus dem Grenzgebiet entführt,
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Nur seine beiden Knaben sein Geleit. –
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Der Mann fand Gnade vor des Königs Augen,
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Weil er so anders war, als seine Sklaven.
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Er nötigt ihn, zu bleiben Tag um Tag,
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Ob längst der Zweck, um den er kam, erreicht;
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Er zeigt ihm seine Schätze wie sein Heer,
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Der Priester Weisheit und der Frauen Reiz:
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Für alles hat der Gast ein sinnig Auge,
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Und, wenn er redet, stets ein sinnig Wort.
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Und als der Tag des Scheidens nun gekommen,
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Da spricht der König: »Höre mich, Borast,
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Ich darf nicht hoffen, dich zurück zu halten,
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Denn deine Seele hängt an deinem Volk;
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Doch laß die Knaben mir: ich will sie hier
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Mit meinen eignen königlich erziehn
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Und sie dir reich und weise wieder senden.
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Du willst nicht? Schüttle nicht das Haupt, Borast!
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Du mußt doch selbst gestehn, es birgt mein Hof
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Viel tausend Güter, eurer Steppe fremd.
33
Verschmähst du alle Schätze, wohl, so können
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Von unsern Magiern deine Knaben lernen
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Jedwede höchste, euch versagte Weisheit.« – »Nein,
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O König, laß mich ziehn mit meinen Söhnen.
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Nur eine Weisheit gibt's und diese, Xerxes,
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Zu lernen komm zu uns ins Skythenland:
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Hier ist sie nicht.« – »Nun,« lächelte der König,
40
»und welches wäre diese höchste Weisheit?«
41
»sie ist:« – sprach er und ging mit seinen Knaben –
42
»den Tod nicht fürchten und die Wahrheit sagen.« –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Felix Dahn
(18341912)

* 09.02.1834 in Hamburg, † 03.01.1912 in Breslau

männlich, geb. Dahn

deutscher Jurist, Schriftsteller, Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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