Liebe und Hoffnung

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Charlotte von Ahlefeld: Liebe und Hoffnung (1815)

1
Auf meinem frühen, stillen Gang durch's Leben
2
Sah ich in holder, lieblicher Gestalt
3
Die Liebe und die Hoffnung vor mir schweben,
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Von lichten Himmelsglorien umwallt.

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Die Liebe reichte mir den Kranz von Rosen;
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Ich schlang entzückt ihn um mein freies Haupt.
7
Die Hoffnung hatte unter süssem Kosen
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Mit frischem Grün es duftend schon umlaubt.

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So folgt' ich seelig meinem stillen Wege,
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Und scheute nicht des ernsten Schicksals Zorn;
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Doch ach, die Kränze welkten ohne Pflege,
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Und mich verwundete der Rosen Dorn.

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Da stand ich zürnend, und im bittern Grimme
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Riss ich den bunten Schmuck mir aus dem Haar,
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Bis mir aus hohen Lüften eine Stimme
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In Busen drang, der tief beklommen war.

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»so wirfst Du, sprach sie, Deines Lebens Frieden
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Wie welke Blumen in den niedern Staub?
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Und jeder höhere Genuss, der Dir beschieden,
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Wird Deines Kleinmuths eigensinn'ger Raub?

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Behandle achtungsvoll die theuern Gaben,
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Mit denen Lieb' und Hoffnung Dich erfreut,
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Und wirst Du sie aus reiner Quelle laben,
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So siehst Du bald sie jugendlich erneut.«

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Da sprach ich weinend: ach, mein Pfad ist enge,
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Und windet immer steiler sich hinan;
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Durch schroffer Felsen starrendes Gedränge
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Führt er empor, und doch nicht himmelan.

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Wie kann ich hier die heil'gen Blüthen pflegen,
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Wo keine Quelle rauscht, kein Bächlein fliesst,
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Und wo auf den bedornten rauhen Wegen
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Sich nur der Wehmuth Thräne still ergiesst.

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»so lass der Liebe Rosen denn verbleichen,
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Doch halte fest der Hoffnung helles Grün!«
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Ertönte mir die Stimme sonder Gleichen,
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Und schweigend sah ich meinen Kranz verblühn.

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Sie welkten hin, die Rosen, deren Düfte
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Mit Himmelsahnungen mich einst berauscht.
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Mit Seufzern, ach, vermischt'ich nun die Lüfte,
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Mir war, als sei mein Inn'res umgetauscht.

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Es zogen Ungewitter, Regenschauer
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Und Stürme drohend über mir empor,
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So dass in's finstere Gebiet der Trauer
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Sich still und ernst mein heitrer Sinn verlohr.

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Doch blieb die Hoffnung tröstend mir zur Seite,
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Und sorgsam pfleg'ich noch den zarten Zweig,
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Den sie mir gab zum irdischen Geleite,
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Er soll mir folgen in des Hades Reich.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Charlotte von Ahlefeld
(17811849)

* 06.12.1781 in Stedten an der Ilm, † 27.06.1849 in Teplitz

weiblich, geb. Ahlefeldt

deutsche Schriftstellerin

(Aus: Wikidata.org)

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