Elegie

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Charlotte von Ahlefeld: Elegie (1815)

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Wandelnd im Schimmer des Mondes, und tief in Gedanken versunken,
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Führt mich der ländliche Pfad über das schweigende Feld,
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Und in der Stille des Abends, die mich balsamisch umsäuselt,
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Nahet dem sehnenden Geist mancher Erinnerung Bild.

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Wie voll Schwermuth und Ernst auf nächtliche Stille des Grabes
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Luna den trauernden Blick senkt von der ewigen Bahn,
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Der die Gefilde erhellt mit bleichem Glanze, so blicket
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Auf vergangene Zeit trübe umwölket mein Sinn.

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Bilder der Freundschaft und Liebe, und all' ihr lächelnden Träume,
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Die ihr mein Leben geschmückt, eilet, und kehret zurück.
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Stillet mit freundlichem Trug die blutenden Wunden der Sehnsucht,
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Da mir die wirkliche Welt meine erträumte versagt.

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Ja, ihr erscheinet mir nun – doch nicht mehr im rosigen Schimmer
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Jugendlich glühender Lust, die aus der Hoffnung entsprang.
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Nächtlich, und trübe verhüllt in melancholische Schleier
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Sinnender Wehmuth, erscheint ihr meinem thränenden Blick.

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Seyd mir dennoch willkommen, auch im Geleite der Trauer,
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Die an den Wechsel der Zeit mahnet mit schweigendem Ernst.
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Ach es lindert so sanft den zehrenden Schmerz des Entbehrens
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Der Erinnerung Glück, ist's auch mit Wermuth vermischt.

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Unbefangene Tage der frühen, blühenden Jugend,
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Als mein fröhliches Herz lauter zu klopfen begann!
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Als die Erstlingsgefühle der Liebe sich regten im Busen,
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Als mir die Freundschaft zuerst reichte den duftenden Kranz!

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Könnt' ich Eurer vergessen – vergessen der Stunden voll Wonne,
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Denen die Hoffnung einst lieh ihr verwelkendes Grün?
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O dann hätte ich nie Euch zu durchleben verdienet,
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Und der Vergangenheit Reiz wäre ein Schatten mir nur.

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Treu in liebender Brust bewahret hab' ich Dein Bildniss,
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Unvergessliche Zeit, die Du so eilig entflohst.
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Oft erscheinst Du mir heiter – doch öfter in Nebel und Wolken,
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Aber wie Du auch nahst – freundlich empfang' ich Dich stets.

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Tief in dämmernder Nacht der undurchdringlichen Zukunft,
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Bleibt die Erinnerung mir ewig ein leuchtender Stern.
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Wend' ich mein Auge zu ihm, so strahlt er mir Frieden entgegen,
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Und das Dunkel umher hellet sein sonniger Glanz.

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Darum will ich die Blumen, die nächsten, welche mir blühen,
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Sind sie auch sparsam verstreut, dennoch mit sorgender Hand
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Sammeln, und winden zum Kranz, den ich, o holde Erinn'rung,
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Opfre mit Thränen des Danks Deinem geweihten Altar.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Charlotte von Ahlefeld
(17811849)

* 06.12.1781 in Stedten an der Ilm, † 27.06.1849 in Teplitz

weiblich, geb. Ahlefeldt

deutsche Schriftstellerin

(Aus: Wikidata.org)

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