Pfingstgewitter

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Peter Hille: Pfingstgewitter (1879)

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Löwe, Adler ihre stürzenden Grausamkeiten sind mehr als
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Lammverspeisen und Verzehren von Ziegen. Sie haben Sein.
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Sein der Höhe.
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Ihr fragenden Grausamkeiten halte ich in mir, ein geduldiger Löwe.
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Ich stöhne den Rager, den Weltvergießer
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Ich brülle den Reißenden.
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Bin Gewitter wie das, das da oben kommt

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Ich behalte meine Blitze:
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Zerrissener Himmel
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Gewaltiges Wort.
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Und ist da oben wer Schriftgelehrter:
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Mag sein Gewand zerreißen.
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Bardenwart der!
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Ja, ja du Bardenwart der Lüfte, und wenn du noch so brummst.
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Ragender,
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Weltvergießer,
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Frierst du nicht, so oben?
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Wirst du nicht wahnsinnig,
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Da so gar nichts dein ist.
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Wer alles hat, hat wieder nichts.
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Sollen wir?
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Dir Gesellschaft leisten?
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Mit dir spielen?
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Bist du nicht Kind?
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So mußt du es werden.
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Und besonders wir Dichter.
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Wir?
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Was weiß ich von anderen,
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Bin ich nicht auch wie du?
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So eigen allein!
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Ob auch nicht ganz
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So mächtig.

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Ich will dich unterhalten:

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Weiße Flammen taumeln,
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Tanzen der jauchzenden Feuerreigen
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Glühender Welt.
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Leuchtende Gewitter blühen,
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Klaräugige Stürme, Wolkenjäger
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Wischen den sprühenden Schweiß
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Von hämmernder Stirn.
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Und wilder Segen ist,
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Himmeltaumelnde Trunkenheit,
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Zausen starker Neckerei.
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Dankbar blüht da Lächeln aus tauig taumelndem Grunde.
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Safttollende Kelche strotzend frischer Feuer bluten.
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Weiß geschürzte Reigen,
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Drängend leuchtende Gewitter
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Drücken ihrer schwellenden Früchte
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Berauschend erquickenden Saft
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Auf diese weiß geschürzten selig auf-
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schmachtenden Reigen,
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Warme Wolken gleiten glückleuchtend spazieren.
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Umtaumelnd Mutwill, fromm die Erde, fürchtende Freude.
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Wie sie ausbricht, die jubelstrotzende
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Leidenschaft zusammenziehender Höhen.
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Nachtigallenstürme aus wonnewankenden Wäldern.
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Weichstark dringen klingender Seele –
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Jubelnd stirbt sich's am Lied.

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Adler schreien und schlagen nieder
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mit jauchzendem Gefieder
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Das dunkelgolden streitende Gewühl des Gewölks.
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Silberscharf
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Zackt das Wort der Höhenleidenschaft
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Hin zu Tal,
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Und der Erde reife Zeilen
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Sind gesättigt, und ist ein Spiel.
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Frommer Mutwill
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Auf zu lachend starkem Vater.
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Und Schläge
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Tollender Zärtlichkeit
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Schallen ....
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Rasendes Rauschen
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Seliger Kräfte.
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Wonne entwurzelt das Herz der Welt.
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In traufender, strahlenschüttender Wollust vergeht die Sonne.
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Zitternd am Tage entschlafend.
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Blutende Wunden suchen sich
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Zu süßmundenden Küssen,
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Wohlige, rosige, ziehende Wunden. –
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Weltenblüte
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Verrucht vor Güte,
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Flammende Wildnis
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Ungezügelter Kräfte.
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Blitzrankende Augen,
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Leuchtende Dornen,
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Scharfe Wildheit, bang, zerstörend,
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Grausam scheu.
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In Baum und Tier und mir
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Lauschende Adern,
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Wasserantlitz, wollust-klar,
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Zitternder Zweige schauerndes Haar
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Und aus Tollnis springende,
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Wilde
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Gebilde.
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Spiel der Himmel,
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Blumen und Blitz.
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Leichtes Licht
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Wie kriegende Kinder –
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Springt und flimmert
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Von Wolke zu Wolke.
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Treu aufsteigende Flammenbäume
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Unzerstreuet,
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Ein Gebet –
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Steht der Wald
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Aufgerichtet.
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Und des Himmels Liebe:
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Morgenröte des Hasses
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Auf geschliffener Schneide:
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Sich anlachender Schwertblitz,
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Fern aufgerichtet steht
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Waffen auf den Wald gestützt
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Mir des Blitzes Sohn
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In Antlitz.
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Und ist alles
115
Unzufrieden Blut,
116
Gattung der Welten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Peter Hille
(18541904)

* 11.09.1854 in Erwitzen, † 07.05.1904 in Groß-Lichterfelde

männlich, geb. Hille

deutscher spätromantischer und naturalistischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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