Vagantenweihe

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Peter Hille: Vagantenweihe (1879)

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Zugvögel ziehn in grauem Ernst,
2
Da stehst du Walter nun und lernst,
3
Die Jahre welken 's greise Haupt.
4
Fast steht der Hain schon blattberaubt –
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Wie kalt des Regens dünnes Naß!

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Und doch Kopf oben! unverzagt,
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Der Jugend Rosen unbenagt,
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Trotz
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Sie regen sich voll dunklem Duft
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In ewig blauer Feierluft:
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Der tiefe rote Kuß macht das.

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Ich hab' viel Marterbilder hier,
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Sind gar geringe Kirchenzier!
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Und voll von Pein und
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So mager, leer und dintenvoll,
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Der Saal, darin Latein erscholl,
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Ein Männlein da, das Leder ganz.

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Die Sonne leuchtet treu und warm,
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Da leuchtet Lieb' mir schon im Arm,
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Die wieder weichen Lippen los
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Wie Elfenbein, die Hand im Schoß;
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Von blauem Glanz die Augen naß.

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Und dann ein Blick aus warmem Lid,
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Der wieder tief ins Traumland flieht,
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Der
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Des Odems Duft durchgraust mein Mark,
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Das weiht den Mann, das macht ihn stark,
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Ja bis zum Gotte hebt ihn das.

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Und meidet mich die Klerisei,
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Weil meinen Wirbel floh die Weih' –
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Nur
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Das ist ja nur der pure Neid,
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Der hüllt sich dann in Kreuz und Leid
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Und donnert los im Lügenbaß.

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Das Altarbild gar lieb und hold,
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Erhellt von zartem Lichtergold,
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Das, Himmel, ist nicht
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Das ist ein Tag, der ewig steht,
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Mir niemals aus dem Sinne geht,
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Ein Tag im Wald im weichen Gras.

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Das alles war so ernst, so tief,
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Wie sie so himmlisch lag und schlief,
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Trotz
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Und Blumen frisch und Amselschlag,
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Der weihen Ruh' ich denken mag,
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Des weichen Golds im grünen Gras.

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Ein Ruf, von wo, der sich verlor,
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Da fährt sie scheu vom Grund empor:
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Dein Schrecken, Kind, ist
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Die Locken fahren wild herum,
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O Gott im Himmel, war das dumm, –
52
Ich nenne meine Weihe das.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Peter Hille
(18541904)

* 11.09.1854 in Erwitzen, † 07.05.1904 in Groß-Lichterfelde

männlich, geb. Hille

deutscher spätromantischer und naturalistischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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