Gott und Welt

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Paul Heyse: Gott und Welt (1872)

1
Ein Bilderbuch ist diese Welt,
2
Das manchem herzlich wohlgefällt,
3
Der blätternd Bild um Bild genießt,
4
Vom Text nicht eine Zeile liest.

5
Die goldne Mittelmäßigkeit
6
Muß wohl Unmittelbares hassen.
7
Drum hat sie sich zu aller Zeit
8
Natur, Geist, Gottes Herrlichkeit
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Anthropomorphisch lang und breit
10
Zum Schulgebrauch übersetzen lassen.

11
War's auch human, im Wurmgeschlecht
12
Den Gottesfunken anzufachen?
13
Mußt' er den gottbewußten Knecht
14
Nicht vollends erst zum armen Teufel machen?

15
Rätsel, die zu lösen endlich,
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Werden sie »natürlich« schelten.
17
Nur was ewig unverständlich,
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Wird als Offenbarung gelten.

19
Im Buch der Bücher offenbar
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Steht Gottes Wort. Doch sagt, ihr Frommen,
21
Ist Gott durch so viel tausend Jahr
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Sonst nie zu Wort gekommen?

23
Wie gegen die Kirche wir auch uns wehren,
24
Der Andacht können wir nicht entbehren.

25
Gern auf den Knieen verehrt' ich ihn,
26
Ließ' er im feurigen Busch sich spüren.
27
Doch mag ich nicht so obenhin
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Seinen Namen unnützlich führen.

29
Es ist ein Trost in mancher Not,
30
Zu denken, das lumpige Leben
31
Sei ein Kontrakt mit dem lieben Gott,
32
Einseitig aufzuheben.

33
Gönnt doch den Wahn dem armen Schlucker,
34
Der nur des Lebens Bitterkeit genießt!
35
Unsterblichkeit ist ja der Zucker,
36
Der ihm den herben Trank der Zeit versüßt.

37
Vergüten reichen Alters Garben
38
Mißwachs der Jugendzeit und langes Darben,
39
Und sollt's Ersatz im Himmel geben
40
Für ein verpfuschtes Erdenleben?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Heyse
(18301914)

* 15.03.1830 in Berlin, † 02.04.1914 in München

männlich, geb. Heyse

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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