An Beethoven

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Paul Heyse: An Beethoven (1872)

1
Wie wer gekostet hat vom Zauberkraut
2
Und nun versteht der Elemente Lallen,
3
Das Stammeln der Natur, den Klagelaut
4
Der stummen Wesen, die dem Tod verfallen,
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So gingst du durch die Welt. Dir klang vertraut,
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Was allen schwieg, und das verworrne Schallen
7
Vom ew'gen Fluß der Dinge – deiner Seele
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War's Wohllaut, wie ein Lied aus Vogelkehle.

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Doch wer das Höchst' und Fremdeste ergründet,
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Ein Fremdling wird er in der eignen Welt.
11
Wann hätt' ein Mensch Dämonen sich verbündet
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Und dann zu frohen Menschen sich gesellt?
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Vom Schmerz des Daseins, den dein Lied verkündet,
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Ward jede flücht'ge Wonne dir vergällt;
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Der Einklang, der dir tönt' im Flug der Sterne,
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Blieb, wie du kämpftest, deinem Busen ferne.

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So rächen sich an dem, der sie belauscht,
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Die Überirdischen, die furchtbar Hehren.
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Wer sich am Urquell alles Seins berauscht,
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Soll nicht den Becher ird'scher Freude leeren.
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Einsam, wenn alles Seel' um Seele tauscht,
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Muß er die Glut des eignen Herds entbehren,
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Und, ihm den Stachel recht ins Blut zu mühlen,
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Lehrt Phantasie ihn das Versagte fühlen.

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Er weiß von allem Traulichen und Süßen,
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Das armer Menschen Niedrigkeit verklärt,
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Sieht in des Weibes Blick die Liebe grüßen,
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Die Treue, die das heil'ge Feuer nährt,
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Den Glauben: endlich werde siegen müssen
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Unschuld und Recht, mit Ketten selbst beschwert,
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Und hört nach Kerkernacht und bangem Leide
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Die Himmelsstimmen namenloser Freude.

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So sprachst du aus in reinen Melodien,
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Was du im Traum der Sehnsucht nur erfahren.
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Den goldnen Schatz, den Ahnung dir verliehn,
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Gabst du den Glücklichern, ihn zu bewahren.
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Und wenn die Neunzahl hoher Sinfonien
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Das Weltgeheimnis strebt zu offenbaren,
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Fidelio klagt und jauchzt das ewig neue
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Uralte Trostlied ew'ger Lieb' und Treue.

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Dank, daß du dies Vermächtnis uns gelassen!
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Schon vor dem Übermenschen will den Geist
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Ein Schwindel ehrfurchtsvollen Grauns erfassen,
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Als ob zu hoch du unsrer Liebe seist:
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Da teilst du unser Dulden, Lieben, Hassen,
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Der hohe Fremdling ist nicht mehr verwaist,
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Und der vereinsamt ging auf ird'schen Wegen,
48
Das Herz der

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Heyse
(18301914)

* 15.03.1830 in Berlin, † 02.04.1914 in München

männlich, geb. Heyse

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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