Letzter Wille

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Paul Heyse: Letzter Wille (1872)

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Nun schon in den letzten Zügen
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Mit erloschnem Augensterne
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Sehn wir das Jahrhundert liegen,
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Denn sein Stündlein ist nicht ferne.

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Harrend auf der Greisin Sterben
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Nahn dem harten Todesbette,
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Streitend, wer sie mag beerben
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Ihre Kinder um die Wette.

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Wen'ge nur vergießen Tränen,
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Denkend ihrer Lieb' und Treue,
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Da die meisten kindisch wähnen,
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Weitaus schöner sei das Neue.

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Und sie grollen mit der Alten,
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Daß sie oftmals mehr versprochen,
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Als am Ende sie gehalten,
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Auch noch manches sonst verbrochen.

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Und die Dunkelmänner kneifen,
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Daß sie stürmisch sich gerühret,
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Um die Fesseln abzustreifen,
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Die die Geister eng umschnüret.

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Plötzlich, furchtbar anzuschauen,
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Richtet sich empor die Alte.
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Zwischen silberweißen Brauen
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Furcht sich tief die dunkle Falte.

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Im entfärbten Angesichte
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Ist's als ob ein Zornblitz glimme.
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Schweigt, ihr töricht kecken Wichte!
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Ruft sie laut mit heisrer Stimme.

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Jeden Nachruf sollt ihr sparen,
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Alles Preisen, Schelten, Lästern.
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Nicht das Heute kann erfahren,
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Was bedeuten mag das Gestern.

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Darum keine Narrensprüche
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Haltet mir am offnen Grabe,
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Weder Segen, weder Flüche,
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Da ich einen Wunsch nur habe:

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Daß auf meinem Leichensteine
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Stehen soll das Wort zu lesen,
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Wahrlich Ruhm genug dies eine:

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Was mir Großes sonst gelungen,
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Tritt zurück vor diesem Namen.
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Nun, ihr Alten und ihr Jungen,
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Gute Nacht! – und damit Amen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Heyse
(18301914)

* 15.03.1830 in Berlin, † 02.04.1914 in München

männlich, geb. Heyse

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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