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Liebste, da ich heut im Regenzwielicht
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Von dir ging, noch unsern Buben herzte,
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Und die großen Mädchen sehr verschlafen
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Mir zum Abschied Mund und Wange boten,
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Dann der Morgenwind mit frost'gem Schauer,
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Gar nicht lenzhaft, mein Gesicht umsprühte –
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Sinnlos schien ich mir und aberwitzig,
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Daß ich fortging, weil der Arzt geraten,
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Alten Gram in neuer Luft zu heilen.
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Der Gesundheit, ach, des Friedens Quelle,
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Fließt sie einzig nicht im Bann des Hauses?
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Auch der schönsten Ferne fremdes Treiben,
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Farbenbunt geschäftig Weltgewimmel –
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Was dem wunden Herzen kann es bieten,
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Das ihm besser nicht daheim erblühte?
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Und so drückt' ich, trutzend und verdrossen,
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Fest mich in den dumpfen Fensterwinkel,
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Scheinbar schlafend. Doch den Schein benutzte
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Ein vergnüglich Flitterwochenpärchen,
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Das der Kellner im Hotel vermutlich
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Allzufrüh geweckt aus Liebesträumen.
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Denn sie hatten viel geheime Dinge
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Sich ins Ohr zu flüstern, sich die Hände
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Zu zerdrücken, und im Tunnel vollends
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Hört' ich's wie verstohlne Küsse zwitschern.
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Ich zwar, über solche Menschlichkeiten
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Milde denkend, drückte gern ein Auge
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Drüber zu, und blinzelnd mit dem andern
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Sah ich in die glimmende Morgenröte.
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Doch mein Zartsinn half nicht lang. Ein zweites
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Pärchen stieg mit Kind und Kinderwärtrin
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Zu uns ein, die Frucht der Honigwochen
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Zappelnd auf dem Schoß, und nicht zum Kosen,
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Nicht mehr aufgelegt zum Händedrücken,
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Da das Äffchen steter Wartung brauchte.
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Es dem guten Großpapa zu zeigen,
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Willig litten sie die Reiseplage,
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Mit unendlichem Gerät beladen,
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Fläschchen, Töpfchen, Klapper, Müschenpfanne,
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Übersorglich stets, doch überselig,
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Weil der goldne Liebling sehr manierlich
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Sich betrug und jedermann ihn lobte.
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Wieder Halt, und neue Menschen. Trällernd
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Steigt ein muntrer junger Mann, in flottem
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Großkarriertem Anzug, in den Wagen,
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Bald mit seinem ältern Gegenüber
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In Gespräch vertieft und rascher Freundschaft.
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Beide handelten mit gemischten Waren,
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Und nachdem der Jüngre stolz berichtet,
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Heut in Koburg harre sein das Bräutchen,
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Da er morgen dort die Hochzeit feire,
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(seligmann und Löwes einz'ge Tochter)
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Fand er Muße, einen Zentner echten
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Schweizerkäse – unter zweiundzwanzig
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Gulden könn' er ihn bei Gott! nicht lassen –
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Zu verhandeln. – Doch im Winkel nickte
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Eine alte Judenfrau aus Bamberg,
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Neben ihr ein Enkelkind. Der Frühling
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Hatte sie verlockt zum großen Wagnis,
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Ihren Sohn in Kulmbach heimzusuchen
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Auf der Bahn. Die weißen Haubenbänder
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Glänzten spukhaft über der schwarzen Haartour,
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Und sie nickt' und murmelte und horchte
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Zwischendurch auch nach dem Käsehandel.
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Leben! dacht' ich. Alle diese leben,
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Freuen sich des Tags und seiner Lasten,
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Seiner Lieb' und Lust. Warum, ihr Götter,
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Schuft ihr mir ins Herz dies Ungenügen,
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Das im Schoß so reichen Guts nur immer
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Stieg ich, angelangt im schönen Koburg,
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Das so reinlich wie ein frischlackiertes
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Teebrett mit geblümten Meißner Tassen
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Zwischen Hügeln liegt, hinauf zur Feste.
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Faulbaum, Flieder, Apfelbäume blühten,
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Amseln sangen, und geputzte Menschen
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Gingen satt und selig durch die stillen
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Parkgebüsche. Doch, als aus den leichten
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Regenwolken, die der Westwind jagte,
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Einzle Strahlen äugelten – gewissen
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Liebesblicken gleich, die in Italien
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Man Occhiaten nennt – da sprach ich also:
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Ja, dies Leben – viel ist nicht dahinter.
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Aber daß der Mensch das abgespielte
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Bürgerliche Rührstück stets von neuem
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Sich gefallen läßt, hat seine Gründe.
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Erstlich: die Kulissen sind bezaubernd.
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Berg' und Auen, Sonn' und Maienblüte,
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Dann der Vogelbrut und Kinderstimmen
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Helle Symphonie – sie täuschen drüber,
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Daß die Handlung platt, das Ende kläglich
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Und der Autor, ob man nun ihn loben
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Oder meistern mag, sich hüllt in Dunkel.
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Zweitens: Niemand hat bis jetzt ein andres
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Mittel noch entdeckt, der Liebeswunder
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Eines Menschenherzens, auch in Trübsal,
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Auch an Gräbern sich bewußt zu werden,
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Als: es mit dem Leben frisch zu wagen.
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Und so laß auch uns, Geliebte, leben,
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Eins im andern, gut' und böse Tage
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Und auch diese Trennungsnöte segnen,
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Da sie unsrer Herzen, der untrennbar
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Eins gewordnen, fester uns versichern.