Die Fliege

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Paul Heyse: Die Fliege (1872)

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Dem Menschen lebt, dünk' er sich edel auch
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Und gut, im Busen ein Vernichtungstrieb,
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Wie ja der Schöpfer, dessen Ebenbild
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Er sich berühmt, was er erschaffen, auch
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Dem Tode weiht.
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Am Fenster stand ich heut
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Und blickte müßig auf den See hinaus,
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Der aufgestürmt, mit weißen Kämmen wild
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Die Flut ans Ufer trieb. Im Zimmer doch
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War's heimlich, denn im Ofen knisternd sang
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Des Ölbaums grünes Holz. Und wie ich stand,
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Nichts denkend, sah ich eine Fliege, kaum
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Erwacht zum Leben, die am Fensterglas
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Behaglich sacht hinaufkroch, wohl gleich mir
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Der Wärme froh. Und wie zur Sommerszeit,
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Wo nur zu sehr der kleinen Näscher Schwarm
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Uns lästig wird, auch jetzt zerdrückt' ich sie
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Mit plumpem Finger. Doch sogleich in mir
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Sprach eine Stimme: O du Grausamer!
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Konntst du das kurze bischen Leben ihr
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Nicht gönnen? War die Welt nicht weit genug
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Für dich und sie, und hätt' ihr Summen dir
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Den Schlaf gestört?
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So sprach mein bessres Ich.
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Und von dem Ort der Untat, wo, gestreckt
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Die zarten Füßchen, an der Scheibe hing
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Die kleine Tote, trat ich rasch zurück,
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Sehr unzufrieden mit mir selbst.
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Ach wohl!
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Gedankenlose Mordlust lebt in uns,
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Und schämen sollte sich der Mensch vorm Tier,
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Das nur aus Notwehr tötet, oder weil's
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Der wilde Hunger zwingt. – – –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Heyse
(18301914)

* 15.03.1830 in Berlin, † 02.04.1914 in München

männlich, geb. Heyse

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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