Das Konzert

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Paul Heyse: Das Konzert (1872)

1
In meinem Zimmer mir zur Augenweide
2
Hängt überm Schreibtisch jenes Meisterwerk
3
Giorgione's, das Konzert, das Kleinod aus
4
Dem Schatz Palazzo Pitti's. In der Mitte
5
Der blasse junge Mann im schwarzen Kleid,
6
Der auf den Tasten eines Orgelwerks
7
Die schlanken Hände ruhen läßt, als schlüg' er
8
Den Schlußakkord, den feierlichen, an
9
Der geistlichen Motette, die den Zwei'n
10
Er vorgespielt, den Freunden, gleich ihm selbst
11
Verehrer Palestrina's. Oder war's
12
Ein Stück, entsprungen aus der eignen Seele
13
Des Spielers, oder freie Phantasie?
14
Nein, eines Meisters Schöpfung muß es sein.
15
Denn zu dem Alten hinter ihm das Haupt
16
Umwendend, scheint sein mystisch heißer Blick
17
Zu fragen: Ist's nicht wunderbar? Und hab'
18
Ich dir's zu Dank gespielt? Allein der Freund
19
(wohl ein Prälat, der Kleidung nach; ein Kranz
20
Von dunklem Haar umzirkt sein kahles Haupt),
21
In stiller Rührung zuckt's um seinen Mund,
22
Und traulich auf des Jünglings Schulter legt er
23
Die Rechte, gleich als spräch' er: Bravo, Freund!
24
Du spieltest wundervoll! – Die linke Hand
25
Hält einer Laute schlanken Hals umfaßt
26
(auch er übt wohl Musik, als Dilettant),
27
Indes der Dritt' im Bunde, jener Jüngling
28
In Federhut und adligem Gewand,
29
Herausblickt aus dem Bilde, wie noch ganz
30
Versunken in Entzückungen, und scheint
31
Mich anzureden: Hättest du's gehört,
32
Du stündest unterm Zauber noch, gleich mir!

33
Und fühl' ich anders? In das seelenvolle
34
Gesicht des Spielers blickend, ist es mir,
35
Als höb' ein sanftes Klingen geisterhaft
36
Sich an und dringe mir mit magischer
37
Gewalt an Seel' und Sinn und fülle mir
38
Das Herz mit Wonneklang, indes von draußen
39
Der See, anstürmend an die Uferwehr,
40
Mit tiefem Orgelbaß die Melodie
41
Begleite.
42
Heil'ge Musen, schwesterlich
43
Fürwahr reicht ihr euch oft die Hand. Denn hier
44
Aus des Giorgione stummberedtem Bild
45
Tönt zauberisch mit längst verklungner Macht
46
Ein Hauch italischer Tonkunst mir entgegen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Paul Heyse
(18301914)

* 15.03.1830 in Berlin, † 02.04.1914 in München

männlich, geb. Heyse

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.