Wilhelm Hertz †

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Paul Heyse: Wilhelm Hertz † (1872)

1
Dumpf über Berg und Tal dringt zu mir her
2
Die bitterste der Kunden, tränenschwer:

3
Der Teure, den ich brüderlich geliebt
4
In jung' und alter Treue, nie getrübt,

5
Lang vor der Zeit der hingewelkten Kraft
6
So unerbittlich jäh hinweggerafft,

7
Der Leib von grimmer Schmerzen Qual verzehrt,
8
Der reiche Geist ins All zurückgekehrt!

9
Und wir, daß er uns fehlt, wir fassen's kaum,
10
Als ängstet' uns ein unbarmherz'ger Traum.

11
All was wir ihm verdankt, erst im Verlust
12
Wird's der beraubten Seele voll bewußt:

13
Die Welt von Wissen, die er in sich trug
14
Und sie beherrscht' in freiem Geistesflug,

15
Die Welt von Schönheit, die von Jugend an
16
Erobernd er zu eigen sich gewann,

17
Am Quell der alten Dichtung früh genährt,
18
Der Erbe Gottfried's, seines Ahnen wert,

19
So daß, erwacht bei seiner Saiten Klang,
20
Verschollne Sage neu die Flügel schwang!

21
Wohl ließ er uns zu köstlichem Gewinn
22
Sein Werk zurück, – er selber ging dahin,

23
Und was er lebend war und gab und sprach,
24
Tönt unersetzlich uns im Innern nach.

25
Wie gern genießend saß er jugendfrisch,
26
Ein stolzer Zecher, an des Lebens Tisch!

27
Sein goldnes Lachen – niemand lachte so! –
28
Wie macht' es Jeden in der Seele froh!

29
Sein milder Ernst, der Keinen je versehrt,
30
Sein edler Zorn, wenn Niedres ihn empört,

31
Ein zartes Mitgefühl in Leid und Lust,
32
Ein Kindersinn in fester Mannesbrust,

33
Treu seinen Göttern dienend, immer fern
34
Dem Marktgewühl, vertrauend seinem Stern,

35
Und all das nun dahin, was uns beglückt,
36
Kalt diese Hand, die unsre warm gedrückt – –

37
Ja, klagt um ihn! Doch unsre Klage stillt:
38
Uns war gegönnt solch seltnes Menschenbild.

39
Ihm sagen durften wir, bescheiden zwar,
40
Dem tiefbescheidnen Freund, was er uns war,

41
So daß er, den die Mitwelt kaum erkannt,
42
Doch einen Schatz von Lieb' und Treue fand

43
Und nichts, bis ihn verschlang die letzte Nacht,
44
Entbehrte, was das Leben lieblich macht.

45
Und so, ob du nun ruhst am dunklen Ort,
46
Du Vielgeliebter, lebst du mit uns fort,

47
Und Tod und Schicksal überdauernd, zieht
48
In fernste Zeit dein herzbezwingend Lied!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Paul Heyse
(18301914)

* 15.03.1830 in Berlin, † 02.04.1914 in München

männlich, geb. Heyse

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.