Eine Weihnachtsepistel

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Paul Heyse: Eine Weihnachtsepistel (1872)

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Du neidest mich mit deinem gönnenden
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Selbstlosen Neide, Freund, um all den Zauber
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An Farb' und Licht und immergrünem Flor
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Des Winters hier im Süden. Einzig nur,
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Daß es um Weihnacht uns an Schnee und Eis
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Und Schlittenbahn gebricht, »was doch durchaus
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Gehört zu einem
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Müss' ich wohl auch beklagen.
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Freilich war's
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Mir selbst verwunderlich, als frühe schon
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Die heil'ge Nacht vom klaren Firmament
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Herabsank und ich hoch am Bergeshang
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Hinschlendernd auf den See herniedersah, –
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Weitum der Ufer reingeschwungner Ring,
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Der einer edlen Silberschale gleich
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Die dunkle Flut umfaßte, – daß mich noch
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So lind die Luft umspielte, wie bei euch
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Im Mai, und dachte: Heut ist Heiligabend;
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Heut flockt vielleicht der Schnee in dichtem Schwarm
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Auf Münchens Gassen, oder schneit es nicht,
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So heult ein rauher Winterwind mit Macht
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Weit vom Gebirg daher, daß, die verspätet
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Noch unterwegs sind, ihre roten Nasen
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Tief in den Kragen stecken und trotzdem
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Den trefflichsten Katarrh nach Hause bringen. –
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Nun, ländlich sittlich. Auch ein Schnupfen wohl
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Gehört zu einem »richtigen« Weihnachtsfest,
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Und mit Sylvesterpunsch kuriert man ihn.

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Mich aber dünkt, die
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Historische, hat von Katarrhen nichts
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Und Sturm und Schnee gewußt. Lag doch, gehüllt
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In leichte Windeln nur, im offnen Stall
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Das liebe Christkind. Und die Hirten, die
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Des Engels Botschaft hörten, ihre Herden
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Auf freiem Felde hütend bei der Nacht,
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Sie krochen frierend nicht in dumpfe Hütten,
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Denn lau und lieblich war die Luft. Auch ragt'
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Ein Lorbeer wohl hoch an des Stalles Mauer
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Und strömte seinen Duft aufs Kripplein nieder,
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Noch ehe die drei Könige mit Weihrauch
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Und Myrrhen kamen. Eines Palmbaums Krone
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War ausgebreitet als ein Baldachin
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Zum Schirm der dürft'gen Wiege. Drinnen aber
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Das Himmelskind bedurfte wahrlich nicht
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Der goldnen Kerzchen unsrer Weihnachtstannen.
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Denn in der Nacht des Südens funkelte,
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Geschart um jenen Leitstern, das Gewimmel
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Der Goldgestirne – fast wie überm See
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Sie heut erglänzen, wo aus tiefem Blau
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Sie nach und nach aufglimmen, während rings
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Geläut ertönt – meinst du nicht doch, man könn'
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Auch ohne Schnee und Eis an dieser Stätte
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Die

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Heyse
(18301914)

* 15.03.1830 in Berlin, † 02.04.1914 in München

männlich, geb. Heyse

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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