Sermione

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Paul Heyse: Sermione (1872)

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»von allen Inseln, Sirmio, und Halbinseln
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Mein Augenstern, so viel' in klaren Landseen
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Und Meeresweite rings der Wassergott hütet,
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Wie froh erblick' ich, wie zufrieden dich wieder!«
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Und wem, im Frühling landend an Catulls Eiland,
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Entschlüpfte nicht gleich ihm ein Wonnestoßseufzer,
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Darf er auch nicht wie er »im eignen Bett ausruhn«!
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Wie lieblich, hier im lichtgepflanzten Ölwalde
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Hinwandeln, oder unter schattigen Laubkronen
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Des dunklen Lorbeers sich behaglich hinstrecken,
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Von Anemonen rings umblüht und Würzkräutern!
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Wie schön, durch Trümmer hochgewölbter Torbogen,
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Durch die der See heraufglänzt in Smaragdbläue,
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Hinüberschaun zu schneebedeckten Berghäuptern,
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Die kahle Stirnen baden in Aprilsonne!
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Nur die Zikade singt ihr schrilles Volksliedchen
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Im Gras verborgen, sonst kein Laut, als einlullend
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Des großen Pans eintönig tiefe Schnarchtöne.
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Hier mochte wohl der Dichter friedlich ausrasten
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Vom Fieber Roms und zweifelhaften Liebschaften
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Und seiner Lesbia Wankelmut und Untreue.
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Doch diese Villa, ungeheuren Umfanges,
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Mit Hallen, Bädern, Pfeilern, des August würdig,
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Die hättest du, Poete, dir erbaun lassen,
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Der, nicht an Gunst der Großen dem Horaz ähnlich,
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Den Freund Fabullus du zu Tisch dir einludest,
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Ein köstlich Mahl verheißend, wenn er selbst nämlich
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Das Essen und den Wein dazu sich mitbrächte,
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Indem dein Beutel nur gefüllt mit Spinnweben?
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Man weiß, wie damals Publikum und Buchhändler
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Ein Bändchen Lyrik schlechter noch als heut zahlten,
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Und du zumal warst nimmer ein Erfolgjäger.
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Nein, hier an deiner Lieblingsinsel Nordspitze
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Besaßest du vielleicht ein schlichtes Landhäuschen,
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Im Erdgeschoß zwei Zimmer oder drei höchstens,
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Und eine Loggia mit den schönsten Ausblicken,
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Und stiegst zum Bad hinunter in die Seefluten,
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Die von den Gliedern wie vom Geist die Gluthitze
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Der Weltstadt Rom samt ihrem Ehrgeiz abspülten.
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Doch was an Wohllaut dir die Welle zurauschte,
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An reinem Balsam dir Natur ins Blut flößte,
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Um das beneiden konnte dich dein Nachfolger,
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Der niederriß dein Häuschen und die Prachtbauten
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Mit hundert Sklaven prahlerisch hier aufführte
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Und ärmer blieb inmitten seiner Wollüste,
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Als du, trotz deines Beutels voller Spinnweben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Heyse
(18301914)

* 15.03.1830 in Berlin, † 02.04.1914 in München

männlich, geb. Heyse

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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