Sophie, Großherzogin von Sachsen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Paul Heyse: Sophie, Großherzogin von Sachsen (1872)

1
Ein Schatten fällt in dieser Tage Glanz,
2
Ihr Wohllaut stirbt in herber Dissonanz.

3
Der junge Frühling, lachend, wangenrot,
4
Erschrickt erblassend vor dem dunklen Tod.

5
Zwei Augen schlossen sich, die ihre Welt
6
Erwärmt mit sanftem Leuchten und erhellt.

7
Ein Herz steht still, das treu blieb immerdar
8
Sich selbst und dem, was wert der Liebe war.

9
Ein Geist ging in die ew'ge Klarheit ein,
10
Der Wahrheit sucht' und feind war allem Schein,

11
Beglückt, das Wort der Dichter zu verstehn,
12
Mit ihnen wandelnd auf der Menschheit Höhn.

13
Denn ob am Thron auch ihre Wiege stand,
14
Daß Geist nur adelt, hat sie früh erkannt.

15
Geist und ein Herz, das ernst und fromm sich weiht
16
Dem Priesteramte reiner Menschlichkeit.

17
Wer stillt um sie die Trauer, schmerzverzagt,
18
Um die ihr Land als um die Mutter klagt

19
Und weithin über seiner Grenzen Ring,
20
Wer ihres Geists je einen Hauch empfing!

21
Doch schwand sie auch für immer unserm Blick,
22
Bewegten Herzens preis' ich das Geschick,

23
Das in der Fürstentochter offenbart
24
Hoheit mit reinstem Frauenwert gepaart,

25
Ein segensreich erhabnes Menschenbild,
26
So klug wie gütig, so gerecht wie mild.

27
Mir aber, schreitend hier am Seegestad,
28
Begegnet sie auf einsam stillem Pfad

29
Und sieht mit ihrem hellen Blick mich an,
30
Der jedem wohltat, der ihr durfte nahn.

31
Als spräche sie: wie magst du klagen nur,
32
Verdunkelt sei dir nun die Lenzesflur?

33
Mich nahm ein ew'ger Geistesfrühling auf,
34
Erhaben ob der Jahreszeiten Lauf,

35
Und wie du siehst am Hang dort immergrün
36
Scheinlos, doch früchtereich, den Lorbeer blühn,

37
Ein Sinnbild edlen Ruhms, der fortbesteht,
38
Ob er auch bunten Farbenprunk verschmäht,

39
So laß mich in dir leben fort und fort
40
Und klage nicht um mich mit bangem Wort.

41
Nur im Beglücken fühlt' ich wahres Glück,
42
So ruf in Freuden dir mein Bild zurück,

43
Und in den Stunden, wo die Seele rein,
44
Zum Ew'gen sich erhebt, gedenke mein!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Paul Heyse
(18301914)

* 15.03.1830 in Berlin, † 02.04.1914 in München

männlich, geb. Heyse

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.