Letztwillig

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Paul Heyse: Letztwillig (1872)

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Und schließ' ich einst die Augen zu,
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Nie wieder aufzuwachen,
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So gilt mir's gleich, wo man zur Ruh
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Mir wird das Bette machen.

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Doch schlüge mein letztes Stündlein hier
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An dieser Seeflut Borden,
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So wünscht' ich, man erließe mir
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Die Brennerfahrt gen Norden.

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Man grübe mir ein stilles Grab
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Dort unter den Zypressen,
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Wo ich in wonnigen Träumen hab'
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So manchesmal gesessen.

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Mein Deutschland, immer liebt' ich dich
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Vor allen Ländern der Erden,
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Doch nach Italien flüchtet' ich
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Gar oft, um warm zu werden.

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Es heißt, ein armer Toter soll
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Manchmal vom Schlaf erstehen,
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Neugierig und gedankenvoll
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Ein bißchen spuken gehen.

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Im Norden sind die Nächte rauh,
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Da schlotterten mir die Gebeine.
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Hier unten weht die Luft so lau
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Nachts im Zypressenhaine.

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Da säß' ich nieder in guter Ruh
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An meines Sees Gestade
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Und hörte dem Rauschen der Wellen zu,
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Dem Zirpen der Zikade;

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Und grüßt' hinüber, wo dämmrig glänzt
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Das Berghaupt schlummertrunken
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Des Monte Baldo, die Stirn umkränzt
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Von kleinen Sternenfunken.

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Italiens Himmel strahlte herab
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Ins Tal der Tränen so heiter –
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Da schlüg' es Eins. Zurück ins Grab
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Schlüpft' ich und schliefe weiter.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Heyse
(18301914)

* 15.03.1830 in Berlin, † 02.04.1914 in München

männlich, geb. Heyse

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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