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Immer, so oft ich träumend und ziellos schlendre dem Tor zu,
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Lockt mich Santa Maria del Popolo – unter den Kirchen
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Roms die gepriesenste nicht, doch mein erkorener Liebling –
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Mit geheimer Gewalt in ihre bescheidene Pforte.
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Still ist's drinnen und traulich, zumal zur Stunde des Mittags,
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Wenn die Messe vorüber. Ein honigsüßes Gedüft von
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Eben erloschenen Kerzen und Weihrauch wandelt im falben
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Zwielicht magisch dahin und spielt in bläulichen Ringeln,
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Wo durch bogige Fenster ein Sonnenschimmer hereinbricht.
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Solches behagt dort hinten dem Mütterchen. Hüstelnd, den braunen
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Rosenkranz in den Händen, hinüberdämmert sie friedlich,
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Und auf Filzschuhn trippelt, als gönn' er ihr herzlich das bißchen
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Kirchenschlummer, vorbei ihr Altersgenosse, der Küster,
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Der auch mich wohl kennt und mir zuliebe die Kirchtür
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Ein halb Stündlein später verschließt, obwohl er als Ketzer
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Längst mich erkannt. Sein Schad' ist's nicht, noch bin ich im Weg ihm,
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Wenn ich voll Andacht wieder die herrlichen Werke betrachte,
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Die verschwenderisch hier des Sansovino beseelter
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Meißel, der zärtliche Pinsel des Pinturicchio geschaffen.
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Immer zuletzt dann weil' ich in jener berühmten
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Gruft er selber erbaut, der göttliche Raffael. Andre
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Traten hinzu, wie ein Schatzkästlein mit Edelgesteinen,
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Reich zu verzieren den Bau mit unsterblichen Meistergebilden.
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Doch er selber entwarf für die Kuppel den Schmuck: die Planeten
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Um Gottvater gereiht, des Firmamentes Erhalter,
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Und nachschuf mit musivischer Kunst ein venedischer Meister
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Sein erhabenes Werk. Doch mehr als alles ergreift mich
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Dort in der Nische zur Linken die Knabengestalt, die der große
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Urbinate, so heißt's, im Marmor bildend vollendet,
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Er, den sämtliche Musen begabt mit Zaubergewalten.
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Zu den Propheten gesellt, die vorverkündet den Heiland,
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Sitzet der Knabe Jonas, gewandlos, in der Gebärde
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Ahnungsvollen Erstaunens zurückgebogen, das Haupt nur
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Vorgeneigt, wie gebannt von dem Schreckbild, das ihm zu Füßen
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Auftaucht, eben ans Ufer gespült: der Rachen des grausen
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Meerunholdes. Ergreift das Gemüt des Kindes die Ahnung
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Seines Prophetengeschicks und schaudert die knospende Seele,
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Weil im Bauche des Fisches dereinst drei Tage zu wohnen
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Ihm vom Schöpfer bestimmt? Und doch, glückseliger Knabe,
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Gehst du ja wieder hervor zu Licht und Leben und preisest
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Um so froher den Herrn, der aus dem Grab dich errettet.
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Ach, ich denke zurück an ein anderes Kind, dem auch einst
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Wie ein Blitz in die Seele die Ahnung zückte, hinunter
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Müss' es in schaurige Nacht. Aus fröhlichen Spielen auf einmal
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Stürzt' es hinweg und warf mit schreckentgeistertem Antlitz
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Sich in die Arme der Mutter. O liebe Mutter, was ist denn
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Tod? Muß ich auch sterben? – Und mühsam glückt' es, den schwarzen
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Traum ihm wieder zu scheuchen. Nun ward sein Ahnen verwirklicht;
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Doch ihn zog kein gnädiger Gott aus der Tiefe zurück ans
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Wärmende Licht, mit den Kindern der Welt sich des Tages zu freuen.
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Und mir umflort sich der Blick. Durch täuschende Schleier der Wehmut
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Glaub' ich das Bild zu erkennen, das ewig nahe, des Lieblings
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Dort in der Nische, den Leib von Todesschauern umfröstelt.
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Bist du's wirklich und rufst mir zu: O rette mich, Vater!
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Sieh, es verschlingt mich der Tod! – Da rührt ein zitternder Finger
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Sanft an der Schulter mich an: Es ist Zeit, Herr! – Und mit den Schlüsseln
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Klirrend winkt mir der Alte. Ich wende mich ab, und erschüttert
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Wank' ich hinaus an den Tag, als hätte mich selber der Abgrund
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Ausgespien und ich trät' ein Gespenst in das sonnige Dasein.