17. »Die sterbende Meduse« in Villa Ludovisi

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Paul Heyse: 17. »Die sterbende Meduse« in Villa Ludovisi (1872)

1
Dies jungfräuliche Haupt, in des bitteren Todes Umnachtung
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Duldend geneigt, die stolz schwellende Braue, der Mund,
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Nie von niedrigen Worten entweiht, von stummer Verachtung
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Leise gerümpft, noch jetzt, da er das Leben verhaucht –
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Wie? ihr nennt sie Meduse? Des Haarschmucks seidene Fülle
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Ringelt an Wangen und Hals wirr sich zum Nacken hinab,
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Wie von Todesschweiße genetzt, vor Schauder erstarrend,
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Doch in Schlangen verkehrt nimmer sich dieses Gelock.
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Nie feindselig wird dieses Antlitz blicken, das Leben
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Rings versteinernd; es sinkt willig hinab in die Nacht.
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Denn hier oben im Lichte, der Brutstatt niedern Gezüchtes,
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Wo in üppigem Flor nur das Gemeine gedeiht,
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Ach, was hielte die Seele zurück, die edelgeboren
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Ihresgleichen umsonst sucht in dem eklen Gewühl?
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Fremd durchwallt sie die Pfade des fröhlichen Haufens; sie ist nicht
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Wie die andern, sie hat nicht sich zu schmiegen gelernt.
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Hoffart schelten sie ihr den ruhigen Adel und Kaltsinn
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Ihre Trauer; als Schuld schmähn sie ihr eigenstes Selbst.
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Nirgends ein ebenbürtiges Glück im Leben, im Tod nur
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Darf sie sich hoheitsvoll ihrer Bestimmung erfreun.
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Und die Gedankenlosen, die Lustigen, gehn an der Toten
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Unversteinert vorbei, höchstens die Achseln gezuckt:
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»warum wollte sie besser als andere sein? Nun hat sie's
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Schlimmer als andere; ihr ist nach Verdienste geschehn.«
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Und ihr nennt sie Meduse? O nennt sie die Muse der Tragik,
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Und wer seelenverwandt, tröste sich dieses Gesichts!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Heyse
(18301914)

* 15.03.1830 in Berlin, † 02.04.1914 in München

männlich, geb. Heyse

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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